Nach dem G7-Eklat: Jetzt muss etwas passieren!

Gepostet am 11.06.2018 um 11:32 Uhr

Nach dem Gipfeltreffen stehe fest, dass die USA kein verlässlicher Partner mehr sind. Man müsse im Gespräch bleiben, aber vor allem müssen sich jetzt die Staaten der EU aufeinander verlassen können, kommentiert Nina Barth.

“Ernüchternd – ein Stück deprimierend – ein einschneidender Schritt”

Solche Worte sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht oft. Gestern Abend hat sie sie gesagt. In der ARD-Sendung Anne Will hat Merkel US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert – gelassen, ruhig, unaufgeregt. So war auch die Reaktion von anderen Gipfelteilnehmern. Und es wäre – ein paar Stunden nach dem Eklat – falsch, mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Das wäre der Stil von Trump. Merkel dagegen sagt: Durch Anheizen in der Sprache werden die Dinge nicht besser.

Und trotzdem muss jetzt mehr kommen als: “Wir anderen halten an der Erklärung fest – und suchen weiter das Gespräch”.

Donald Trump ist kein verlässlicher Partner

Kurz vor seinem Abflug hat Trump von einem enorm erfolgreichen Gipfeltreffen gesprochen. Sein Verhältnis zu anderen Gipfelteilnehmern? Eine zehn – auf einer Skala von eins bis zehn. Ein paar Stunden später dann sein “Nein” zum G7-Abschluss, denn er war… wütend.

Ist Trump schizophren? Nein, er ist ein Narzisst, er teilt aus, kann aber nicht einstecken, er ist extrem empfindlich. Und er will geliebt werden, ein Held sein – für seine US-Amerikaner.
Trump ist ein Chaot, sagte SPD-Chefin Andrea Nahles. FDP-Chef Christian Lindner sprach im ARD-Sommerinterview von einer Tragödie, Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter von einer “destruktiven Trotzreaktion”.

Donald Trump kam zu spät zum G7-Gipfel, er ging früher. Er hatte keine Lust auf diesen Gipfel. Schlimmer noch: Er hat ihn von Anfang an nicht ernst genommen. Und wenn doch, dann nur um auszutesten, wie sehr die anderen nach seiner Pfeife tanzen. Das haben sie nicht getan – und das erträgt ein Donald Trump nicht.

Um die Abschlusserklärung ist es nicht schade, es war sowieso nur ein Minimalkonsens. Keine Klarheit in der Zollfrage. Beim Klimaschutz und bei der Vermeidung von Plastikmüll scherte Trump aus.

Ein Weckruf für die EU

Dass er nun die mickrige G7-Einigung aufkündigt, zeigt: Die USA sind kein verlässlicher Partner mehr. Eine gemachte Zusage kann innerhalb von Stunden nichts mehr wert sein. Umso wichtiger ist es jetzt, dass sich die Staaten der EU aufeinander verlassen können.

Es sollte ein Weckruf sein für die EU und ihre Partner. Angela Merkel hat gestern Abend gesagt, ihr Credo sei: Man müsse versuchen, über Gespräche eine Einigung zu erreichen, aber wenn das nicht möglich sei, müsse man seine eigenen Wege gehen. Das lässt aufhorchen.

Und sie sagte auch: Europa muss sein Schicksal mehr in die Hand nehmen. Deutschland und Frankreich sollten vorangehen, ein Zeichen setzen für eine starke Europäische Union. Es muss mehr kommen als Absichtserklärungen.

Korrespondentin

Nina Barth

Nina Barth
Hörfunkkorrespondentin

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Zuletzt aktualisiert: 13.12.2018, 20:59:05