Für Meinungsfreiheit kämpfen müssen wir selbst

Gepostet am 15.01.2019 um 15:24 Uhr

Ist unsere Meinungsfreiheit eingeschränkt? Oder lassen wir uns einschränken, wenn ein Shitstorm droht? Evi Seibert kommentiert die Debatte um Stefan Kretzschmars Aussagen.

Der Wirbel um Handball Profi Stefan Kretzschmar geht weiter. Er meint, in diesem Land gebe es keine Meinungsfreiheit „im eigentlichen Sinne“ mehr. Im eigentlichen Sinne heißt für ihn offenbar: Wenn man seine Meinung sagt, kann es passieren, dass man Gegenwind oder sogar Ärger bekommt. Von Leuten die anders denken, vom Chef oder – gerade bei Sportlern – von den Sponsoren.

Das, lieber Stefan Kretzschmar, ist aber nicht fehlende „Meinungsfreiheit“. Bei uns darf immer noch jeder seine Meinung kundtun, auch wenn er den größten Quatsch erzählt. Niemand wandert deswegen in den Knast. Was sich aber wohl verändert hat, ist die Aggressivität, mit der auf Andersdenkende verbal eingedroschen wird.

Staat garantiert Meinungsfreiheit

Das auszuhalten, ist manchmal sehr mühsam. Und ab einer bestimmten Grenze ist auch Schluss. Niemand muss sich beleidigen oder gar bedrohen lassen, weil er eine bestimmte Meinung hat. Insofern hat Kretzschmar Recht. Shitstorms von Leuten, die andere Sichtweisen nicht gelten lassen wollen, sorgen dafür, dass manche sich nicht mehr trauen. Das ist nicht akzeptabel.

Dieses Verhalten geht aber nicht vom Staat aus. Der garantiert in unserem Grundgesetz die Meinungsfreiheit. Dafür kämpfen müssen wir selbst, damit diese Meinungsfreiheit in unserer Gesellschaft auch fair gelebt wird. Das gilt auch für Sportler.

Zuletzt aktualisiert: 17.10.2019, 15:29:16