Frauenförderung beim IT-Gipfel – Minister greift persönlich ein

Gepostet am 17.11.2016 um 16:50 Uhr

Podiumsdiskussion beim IT-Gipfel in Saarbrücken: Zwischen fünf Männern stehen auch drei namhafte Frauen – doch die kommen irgendwie nicht so recht zu Wort. Eine kleine Anekdote vom großen IT-Gipfel. Von Ulla Fiebig

Es werde der letzte IT-Gipfel sein, verkündet Wirtschaftsminister Gabriel vor versammelter Branchenelite. Aber keine Bange. Im nächsten Jahr soll es einen Digitalgipfel geben, kündigt er an. Nach zehn Jahren will man sich weiter öffnen.

Der Nationale IT-Gipfel – diesmal in Saarbrücken – hat offenbar ausgedient. Menschen, die in Unternehmen, Politik oder Verbänden etwas zu sagen haben, treffen sich hier. Die Anzugdichte ist ziemlich hoch. (Allein optisch unterscheidet sich der Gipfel damit von der großen und inzwischen einflussreichen Netzkonferenz re:publica.)

Aber immerhin: Auf dem Haupt-Podium stehen zwischen fünf Männern auch drei Frauen: Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, Unternehmerin Susanne Klatten und Gründerin Raffaela Rein. Es geht um die digitale Wirtschaft und die Gigabit-Gesellschaft. Ein Mega-Thema.

Geduldiges Warten

Verkehrsminister Dobrindt hat die Schlagwörter alle drauf: Breitbandausbau, intelligente Netze, automatisiertes Fahren usw.. Telekom-Vorstandschef Höttges preist die kommende 5G-Technologie und der IG Metall-Vorsitzende Hofmann spricht über die wichtige Weiterbildung in den Betrieben. Und die Frauen? Sie warten geduldig da oben auf der Bühne, schauen zu, wie der Moderator die Männer ins Gespräch holt. So vergehen fast vierzig Minuten.

Dann reicht es Gabriel. Er, der Moderator, solle doch jetzt mal die Frauen dran nehmen, sagt er beiläufig, aber dennoch bestimmt. Der Applaus gibt Gabriel recht. Ein “endlich” geht durch die Reihen. Johanna Wanka spricht nun. Und man möchte meinen, damit sei die Sache geklärt, die Botschaft angekommen. Ist sie aber nicht.

Als nächstes will der Moderator wieder etwas von Minister Gabriel wissen. Aber der ist jetzt konsequent und verweigert eine Antwort. Nein, erst solle eine Frau. Vielsagend verweist Gabriel auf seine analoge Erziehung.

Zugegeben, Sigmar Gabriel kann auch anders. Aber sein Stimmungsbarometer hat in diesem Moment einfach gut funktioniert. Und das schlug eindeutig für die Frauen auf dem Podium aus.
Was natürlich immer noch nicht erklärt, warum die drei einfach so zusehen, wie sie übergangen werden. Lag es womöglich auch an der “guten Erziehung”?

Zuletzt aktualisiert: 14.12.2017, 10:57:33