Fakt oder Fake? Steinmeier lädt zur Diskussion

Gepostet am 21.03.2018 um 16:31 Uhr

Ein Unterschied, von dem die Zukunft der Demokratie abhänge: Unter dem Titel „Fakt oder Fake?“ hatte Bundespräsident Steinmeier zur Diskussion ins Schloss Bellevue geladen. Konstantin Kumpfmüller fasst zusammen.

Wirklich neu ist das Problem nicht, das heute im Schloss Bellevue unter dem Titel „Fakt oder Fake? Über einen bedeutenden Unterschied für die Demokratie“ diskutiert wurde. Das verdeutlichte Bundespräsident Steinmeier zu Beginn der Veranstaltung mit einem Zitat des US-amerikanischen Satirikers Stephen Colbert aus dem Jahr 2006:

„Facts matter not at all. Perception is everything.“

Diskurs ohne Rücksicht auf Fakten gebe es nicht erst seit US-Präsident Trump. Das Problem sei aber aktueller denn je:

„Wir dürfen den Anspruch nicht aufgeben, zwischen Tatsachen und Bewertungen zu unterscheiden. Ich glaube sogar, von der Möglichkeit diese Unterscheidung zu treffen, hängt nicht weniger als die Zukunft unserer Demokratie ab.“

Mit Bundespräsident Steinmeier diskutierten Julia Stein, Vorsitzende des Vereins Netzwerk Recherche, Ulf Poschardt, Chefredakteur der Zeitung “Die Welt”, Michael Butter, Professor für Amerikanistik und Autor eines Buches über Verschwörungstheorien, und Jeff Mason, Reuters-Korrespondent im Weißen Haus.

Geändert habe sich laut Mason seit Trump vor allem, dass Journalisten stärker die Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und in einen Kontext setzen müssen. Auslöser sei aber nicht nur Trump, Auslöser sei eine Welt, in der soziale Medien eine immer größere Rolle spielen, und in der Journalisten als Gatekeeper obsolet geworden sind. Damit war eine zentrale Frage der Diskussion benannt: Wie sollen Journalisten mit diesen Bedingungen umgehen?

Das Digitale biete zunächst vor allem große Chancen, ein breiteres Publikum zu erreichen, merkte Ulf Poschardt an. Die Herausforderung bestehe darin, dass Teile der Gesellschaft versuchen, Medien zu delegitimieren. Ein möglicher Ausweg: In Dialog mit den Kritikern treten und so Vertrauen zurückgewinnen.

Für Julia Stein müssten Journalisten versuchen, das Vertrauen von Anfang an herzustellen. Dafür sollten sie sich immer wieder die Frage stellen, ob sich Menschen verstanden fühlen von der Berichterstattung. Besonders wichtig für Vertrauen und Glaubwürdigkeit sei aber das banalste: Die Medien dürfen möglichst keine Fehler machen, und wenn sie passieren, müsse transparent damit umgegangen werden.

Alle, die sich von etablierten Medien längst verabschiedet haben, werde man so nicht erreichen, so Michael Butter. Teile der Öffentlichkeit überzeuge man auch nicht durch Factchecking. Viele Menschen könnten sich die Welt nur als Ergebnis einer Verschwörung vorstellen. Es liege im Wesen der Verschwörungstheorie, dass jeder Versuch, sie als solche zu enttarnen, bei den Anhängern nur als weitere Bestätigung angesehen wird.

Das Dilemma abgeschlossener Filterblasen zeigte sich auch in der Veranstaltung selbst. Ein Podium besetzt mit einem Wissenschaftler und drei Journalisten, moderiert von Bundespräsident Steinmeier, diskutiert die Frage, wie Menschen wiedergewonnen werden können, die der etablierten Wissenschaft, den Medien und der Politik nicht mehr vertrauen. Da war es nur konsequent, dass Poschardt darauf hinwies, dass vermutlich für manche Menschen das Podium selbst ein Beweis dafür sei, dass sie alle unter einer Decke stecken würden.

Konstantin Kumpfmüller

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2018, 21:07:02