Hunderte Flugzeugteile vom Himmel gefallen

Gepostet am 02.08.2018 um 14:35 Uhr

Über 400 Mal sind in den vergangenen zehn Jahren Flugzeugteile herabgestürzt. Das hat eine Anfrage der Grünen ergeben. Luftfahrtexperten sehen darin Einzelfälle – die Dunkelziffer könnte aber höher liegen. Von Sabine Müller.

Über 400 Mal sind in den vergangenen zehn Jahren Flugzeugteile herabgestürzt. Das hat eine Anfrage der Grünen ergeben. Für Luftfahrtexperten ein verschwindend geringer Teil.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

In Deutschland hat es in den vergangenen zehn Jahren Hunderte Fälle von herabstürzenden Flugzeugteilen gegeben. Das hat die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen mitgeteilt – das Papier liegt dem /api/multimedia/bilder/flughafen-frankfurt-109~_v-original16x9.jpgARD-Hauptstadtstudio vor.

Sein Fall hatte die Anfrage an die Bundesregierung ausgelöst: Thomas Weyer aus Mainz-Hechtsheim hatte im Juni ein anderthalb Meter langes Flugzeug-Dichtungsgummi in seinem Garten gefunden, erzählt er im Hessischen Rundfunk: “Es war mir klar, wenn so ein Teil einen trifft, kommt es mindestens zu schwersten Verletzungen, wenn nicht sogar zum Tod.”

Die grünen Bundestagsabgeordneten Tabea Rösner aus Mainz und Daniela Wagner aus Darmstadt, deren Wahlkreise in Einflugschneisen des Frankfurter Flughafens liegen, wollten es daraufhin genauer wissen. Wie oft ist es in den vergangenen zehn Jahren vorgekommen, dass in Deutschland Flugzeugteile vom Himmel fallen? Ist dabei schon einmal ernsthaft etwas passiert? Was genau kommt da runter?

Weniger Sicherheit durch Preiskampf?

Die Antwort der Bundesregierung sieht so aus: Seit 2008 hat das Luftfahrtbundesamt insgesamt 408 Fälle erfasst – 57 in der zivilen Luftfahrt, 351 beim Militär. In der militärischen Luftfahrt waren die Zahlen zuletzt deutlich rückläufig: minus 45 Prozent im Vergleich zu 2008.

Bei zivilen Flugzeugen wurden 2017 ungewöhnlich viele Fälle erfasst: 13 insgesamt, 2008 waren es dagegen nur drei. Die Grünen sehen eine alarmierende Entwicklung, vermuten, der Preiskampf zwischen den Airlines führe zu weniger Sicherheit. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft widerspricht in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio:

“Die höhere Zahl von Einzelfällen im Jahr 2017 ist ein Ausreißer, nicht Ausdruck einer allgemeinen Entwicklung. So waren es im Jahr 2016 drei Einzelfälle, also genauso viele wie 2008.”

Mal kleine, mal große Teile

Die herabstürzenden Teile waren mal klein, eine 20 Gramm schwere Abdeckklappen beispielsweise. Aber auch mal groß, wie etwa eine zwölf Kilo schwere Triebwerksverkleidung. In einem Fall verlor ein Militärflugzeuge Übungsmunition.

Erwähnt in der Antwort der Bundesregierung ist auch ein Fall aus dem Jahr 2014, als ein Flugzeug eine 4,5 mal ein Meter große Landeklappe verlor, die im Frankfurter Stadtwald einschlug. Unfälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen sind der Regierung nicht bekannt.

“Jeder Fall ist einer zu viel”

Für Luftfahrtexperten nist die Zahl der herabstürzende Teilen – gemessen am gesamten Flugverkehr – verschwindend gering. Die Grünen sagen dagegen: Jeder Fall ist einer zu viel und fordern bessere Kontrollen der Flugzeuge. Sie vermuten außerdem, dass nicht alle Fälle in der Statistik auftauchen und die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

So erklärt die Bundesregierung trotz des Vorfalls in Mainz, ihr sei kein Fall herabstürzender Teile bekannt, in dem Siedlungsgebiete betroffen waren: “Ich kann nicht nachvollziehen, warum man dieser Sache nicht bis zu Ende nachgeht”, sagt der Betroffene Weyer. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen hat erklärt, zu der Sache sei keine Meldung einer Fluggesellschaft eingegangen. Da weder das Flugzeug noch die Airline bekannt sei, könne sie auch keine Untersuchung einleiten.

Bundesregierung: Hunderte Fälle herabstürzender Flugzeugteile seit 2008
Sabine Müller, ARD Berlin
13:46:00 Uhr, 02.08.2018

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. August 2018 um 06:47 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 14.08.2018, 19:21:04