Terrorwarnung für Flughäfen aufgehoben

Gepostet am 21.12.2018 um 18:33 Uhr

Die Sicherheitsmaßnahmen an deutschen Flughäfen werden wieder zurückgefahren. Hinweise auf eine konkrete Terrorgefahr erwiesen sich als Irrtümer und Übertreibungen. Von M. Götschenberg und H. Schmidt.

Die Sicherheitsmaßnahmen an deutschen Flughäfen werden wieder zurückgefahren. Hinweise auf eine konkrete Terrorgefahr erwiesen sich als Irrtümer und Übertreibungen.

Von Michael Götschenberg und Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperten

Am Ende des Tages blieb von dem Terrorverdacht nicht viel übrig: Nach RBB-Informationen stellte sich heraus, dass es keine Verbindung zwischen den mutmaßlichen Ausspähungen am Flughafen Stuttgart und Paris Charles de Gaulle gab.

Verdächtiger falsch identifiziert

Der Grund: Bei der Identifizierung der verdächtigen Männer am Stuttgarter Flughafen war ein Fehler unterlaufen. Es handelte sich demnach nicht um einen polizeibekannten Salafisten aus Aachen. Den wollte ein Polizist aus Nordrhein-Westfalen auf dem Videomaterial erkannt haben, das aus Baden-Württemberg bundesweit an die Sicherheitsbehörden verschickt worden war. So sollte festgestellt werden, wer die Männer sind, die sich am 12. Dezember am Stuttgarter Flughafen verdächtig verhalten hatten. Sie waren verschwunden, bevor die Polizei ihre Identität feststellen konnte.

Sicherheitskräfte patrouillieren am Stuttgarter Flughafen.

Die „Islamonauten“ aus Aachen

An deutschen Flughäfen sind die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden. Der Grund: Vier Personen stehen im Verdacht, einen islamistischen Anschlag auf einen Flughafen geplant zu haben. | mehr

Brisant war der Vorfall vor allem in Zusammenhang mit einer Meldung aus Paris erschienen: Dort waren am Tag darauf ebenfalls verdächtige Personen am Flughafen Charles de Gaulle gesichtet worden, die Fotos vom Terminal gemacht hatten. Bevor man sie festsetzen konnte, waren sie mit einem Kastenwagen weggefahren, der auf einen Mann in Aachen zugelassen ist, den die Polizei der salafistischen Szene zuordnet. Bisher war man davon ausgegangen, dass einer der Männer in Stuttgart sein Sohn war – das aber hat sich als falsch herausgestellt.

Hinweis aus Marokko wohl übertrieben

Vor allem ein Warnhinweis aus Marokko, zu dem die beiden Ereignisse genau zu passen schienen, hatte die deutschen Sicherheitsbehörden alarmiert. Doch auch dieser Hinweis erwies sich, so konkret er war, bei genauerer Prüfung als nicht belastbar. Darin war von einem geplanten Anschlag auf einen Flughafen im deutsch-französischen Grenzgebiet die Rede.

Tatsächlich erwiesen sich die Bemerkungen in einem Chat zu dem angeblich bevorstehenden Anschlag, aus denen der Hinweis generiert worden war, als Prahlerei und damit als unglaubwürdig. Auch bei Wohnungsdurchsuchungen in Aachen und Baden-Württemberg war nichts gefunden worden, was auf einen Anschlagsplan hindeuten würde.

BKA gab früh Entwarnung

Das Bundeskriminalamt hatte den Fall bereits gestern Abend als wenig substanziell und kaum gefährlich bewertet. Über die Bewertung der Gefahr war es zwischen den Sicherheitsbehörden zu Auseinandersetzungen gekommen.

Der Vorfall zeigt jedoch insgesamt, dass die Behörden sehr wachsam sind und schnell reagiert haben, da die Gefahr eines Anschlags im Lichte der Erkenntnisse, die man zu haben glaubte, durchaus real erschien.

Die Bundespolizei hatte aufgrund dieser Erkenntnisse die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen Stuttgart deutlich und an anderen Flughäfen diskret erhöht. Diese Sicherheitsmaßnahmen werden nun wieder heruntergefahren.

Zuletzt aktualisiert: 19.04.2019, 12:59:57