Nur geringe Gefahr?

Gepostet am 21.12.2018 um 11:52 Uhr

Nach den mutmaßlichen Ausspähaktionen an mehreren Flughäfen hat die Polizei mehrere Wohnungen durchsucht. Doch offenbar sind sich die Behörden uneins über die Gefahrenlage. Von M. Götschenberg und H. Schmidt.

Nach den mutmaßlichen Ausspähaktionen an mehreren Flughäfen hat die Polizei mehrere Wohnungen durchsucht. Doch offenbar sind sich die Behörden uneins über die Gefahrenlage.

Von Michael Götschenberg und Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperten

Deutsche und französische Sicherheitsbehörden streiten nach den Terrorwarnungen für Flughäfenim deutsch-französischen Grenzgebiet, wie ernstzunehmend die Drohung ist. Aktuell sieht es danach aus, dass es für die Zusammenhänge, die zunächst dazu führten, dass an einigen Stellen die Alarmglocken schrillten, eine „natürliche Erklärung“ geben könnte, heißt es in Sicherheitskreisen.

Doch vieles bleibt merkwürdig. Für die Polizei in Baden-Württemberg war die Sache zunächst klar: Nach der Entdeckung von zwei auffälligen Personen am Stuttgarter Flughafen am 12. Dezember, kaum 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt, herrschte Alarmstimmung. Die beiden Männer hatten am Flughafen auffällig fotografiert und wurden dabei von Überwachungskameras gefilmt.

Alarmierende Meldung aus Frankreich

Der Polizei war jedoch es nicht gelungen, rechtzeitig ihre Personalien festzustellen. Die Männer waren verschwunden. Doch es gab Videoaufnahmen, die unter deutschen Sicherheitsbehörden verteilt wurden. Zudem kam aus Nordrhein-Westfalen der Hinweis, dass die Personen am Stuttgarter Flughafen zu einer Terrorwarnung aus Marokko vom 3. Dezember passen.

Dann kam noch die alarmierende Meldung aus Frankreich, dass am Flughafen Charles-de-Gaulle ebenfalls Männer fotografiert hätten – nur einen Tag später als in Stuttgart. Hinzu kam, dass die Männer mit einem weißen Kastenwagen mit deutschem Kennzeichen unterwegs waren, womit die Sache noch relevanter schien – denn das Kennzeichen des Sprinters führte just wieder zu den gleichen Personen aus Aachen in Nordrhein-Westfalen.

Sicherheitskräfte patrouillieren am Stuttgarter Flughafen.

Die „Islamonauten“ aus Aachen

An deutschen Flughäfen sind die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden. Der Grund: Vier Personen stehen im Verdacht, einen islamistischen Anschlag auf einen Flughafen geplant zu haben. | mehr

Im salafistischen Milieu verortet

Dabei handelt es sich um einen Mann, der von den Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen im salafistischen Milieu verortet wird. Er war ihnen also bekannt, jedoch war er nicht als islamistischer Gefährder eingestuft, wie in verschiedenen Medienberichten zu lesen war. „Lageangepasst“ wurde sofort die Sicherheit am Stuttgarter Flughafen erhöht, schwerbewaffnete Spezialkräfte rückten an.

Die Bundespolizei sprach vom Verdacht der Ausspähung und verwies auf die Einschätzung der Landespolizei Baden-Württemberg. Auch im Bundeskriminalamt (BKA) beugte man sich nun intensiv über den Sachverhalt. Das BKA hat für die Bewertung solcher Gefährdungslagen eine Skala entwickelt. Sie reicht von 1 bis 8.

Stufe 1 bezeichnet eine akute, unmittelbare Gefahr, Stufe 8 steht für relative Ruhe. Gestern Nachmittag kam das BKA zur vorläufigen Bewertung: Die Lage wird mit Stufe 7 bewertet – also als kaum gefährlich. Eine Einschätzung, die in Baden-Württemberg auf wenig Begeisterung stößt. „Vieles passt hier zusammen“, sagt ein Ermittler. „Die Maßnahmen sind nicht aus der Luft gegriffen“.

Sorge machte den Ermittlern in Baden-Württemberg am Donnerstag vor allem, dass die namentlich bekannten Personen nicht aufzufinden waren.

Doch auch das hat sich inzwischen geändert: Zumindest einige der gesuchten Personen hat die Polizei inzwischen gefunden und befragt. Darüber hinaus wurden ihre Wohnungen durchsucht, ein Objekt in Aachen sowie auch in Baden Württemberg. Konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag sind dabei aber nicht herausgekommen.

Zuletzt aktualisiert: 18.01.2019, 00:50:16