Faktencheck: Die Ministerin und die Ferkelkastration

Gepostet am 22.01.2019 um 18:16 Uhr

Ein viel diskutiertes Thema: die betäubungslose Ferkelkastration. Landwirtschaftsministerin Klöckner sagte dazu im Bericht aus Berlin, die Alternative der Impfung lehnten viele Verbraucher ab. Nicht nur diese Aussage lässt sich so nicht halten.

In unserem Beitrag im „Bericht aus Berlin“ geht es unter anderem um die betäubungslose Ferkelkastration. Es kommt ein Bauer zu Wort, der seine Schweine impft – statt sie chirurgisch zu kastrieren. Auf diese bereits praktikable Alternative angesprochen antwortet die Ministerin: „Die Sache mit zum Beispiel der Hormonimpfung, die Sie gerade eben gezeigt haben: Zur Ehrlichkeit hätte dann jetzt in Ihrem Beitrag auch dazu gehört, dass ganz viele Verbraucher das ablehnen, weil sie von Hormonfleisch ausgehen.“

„Hormonimpfung“? Frau Klöckner suggeriert, dass Hormone geimpft würden. Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Es wird die Produktion von Hormonen vorübergehend blockiert, wie das Friedrich-Löffler-Institut – das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit – bestätigt. Das staatliche Institut empfiehlt die Impfung als Alternative zur Kastration und führt aus, dass es keine gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher gebe.

„Keine Anhaltspunkte“

Außerdem sagte die Ministerin, die „Verbraucher lehnen die Impfung ab“. Interessant. Denn noch im vergangenen Mai antwortet ihr Ministerium auf eine Kleine Anfrage der FDP, dass der Bundesregierung „keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass eine breite Masse der Verbraucher Fleisch von Tieren, bei denen die Immunokastration [wie das Impfen in Fachkreisen genannt wird, Anm. d.Red.] angewandt wurde, ablehnen.“

Eine Studie der Uni Hohenheim zusammen mit Edeka Südwest kam sogar zu dem Schluss, dass Fleisch von geimpften Tieren bevorzugt werde. Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit schreibt dazu: „Das Argument, dass lokale Metzgereien das Fleisch von geimpften Jungeber nicht abnehmen wollen, lassen die Forscher nicht gelten. Denn diese Ablehnung auf Seiten der Schlachter und Verarbeiter beruhe auf der befürchteten Ablehnung dieses Fleisches durch Verbraucher“.

Verlängerung im Koalitionsausschuss beschlossen

Auch bemerkenswert ist die Aussage von Ministerin Klöckner, die zweijährige Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration habe „übrigens nicht ich gemacht, sondern der Bundestag und der Bundesrat“. Tatsache ist, am 1. Oktober 2018 tagten die Spitzen von CDU, CSU und SPD in einem Koalitionsausschuss im Kanzleramt. Ein Gremium, das die Regierungskoalition eingerichtet hat, zu der Julia Klöckner bekanntermaßen gehört.

Es ging dabei auch um gemeinsame Positionen zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz und um Maßnahmen gegen Dieselfahrverbote. In diesem Rahmen wurde beschlossen, dass die Bundestagsfraktionen „eine Initiative auf den Weg bringen mit dem Ziel, noch in diesem Jahr die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre zu verlängern“. Unbestritten war in diesem Punkt der Druck aus der Unionsfraktion groß, aber die zuständige CDU-Ministerin hatte es eben auch hingenommen, dass der Koalitionsausschuss so entschieden hat.

Zuletzt aktualisiert: 14.10.2019, 09:57:54