Fake News: Skepsis ist ein Top-Berater

Gepostet am 23.11.2016 um 16:14 Uhr

Falschmeldungen bei Facebook, Twitter und Co. – besonders der US-Wahlkampf hat dieses Thema in den Fokus gerückt. Um Fakes zu enttarnen, helfen ein paar Tricks. Der Wichtigste: Hirn ein.

Zu allererst: Ja, richtig – auch wir Medienmacher fallen von Zeit zu Zeit auf Falschmeldungen rein. Durch das Internet und soziale Medien im Speziellen verbreiten sich Geschichten weitaus schneller als früher und dazu oft ungeprüft.

Im Gegensatz zu den klassischen Mediengattungen (Zeitungen, Radio, Fernsehen) ist das Internet offen für alle. Jeder darf Geschichten posten und verbreiten – aus persönlichen Meinungen werden so schnell vermeintliche Tatsachen.

Das Problem: Falschmeldungen kleiden sich gern seriös. Viele Fakes lassen sich deshalb auf den ersten Blick gar nicht erkennen. Um sie zu enttarnen, braucht es ein gesundes Maß an Skepsis und Zeit zum Recherchieren. Hier ein paar Tipps:

Erstens: Die großen Fragezeichen

Vorsicht ist nicht nur die Mutter der Porzellankiste. Wenn es um soziale Medien geht, ist sie auch ein sehr guter Berater. Gerade dann, wenn eine Meldung nur von einer einzigen Person oder einer bestimmten Gruppierung verbreitet wird, sollten sich die Fragezeichen im Kopf bilden:

Von wem stammt die Meldung und welches Interesse verfolgt derjenige?
Wie wahrscheinlich ist die Geschichte?
Ist das laut deutschem Recht und Gesetz überhaupt möglich?

Ein Fall, bei dem genau diese Fragen nicht gestellt wurden, stammt aus dem Sommer: Der MDR griff eine Meldung des “Postillon” auf, wonach das Bildungsministerium aus den Wörtern „seid“ und „seit“ einheitlich „seidt“ machen wollte. Der “Postillon” schrieb dazu: „An der richtigen Verwendung dieser beiden unscheinbaren Wörter scheitern mehr als 70 Prozent aller Deutschen.“ Allerdings ist der “Postillon” ein Satiremagazin – die vermeintlichen Fakten waren falsch.

Ein zweiter Fall betraf Helmut Kohl. Die „Welt“ veröffentlichte im Sommer 2015 versehentlich die Meldung, dass der Alt-Bundeskanzler gestorben sei. Zwar war die Falschmeldung nicht einmal für zwei Minuten online, trotzdem wurde sie sofort über eine Nachrichtenagentur und über Twitter weiterverbreitet. Die „Welt“ sah sich gezwungen, den Fehler in einem ausführlichen Artikel richtigzustellen.

Zweitens: Dokumentationsland Deutschland

In Deutschland wird beinahe alles dokumentiert. Ist in einer Meldung von offiziellen Zahlen oder Tatsachen die Rede, gibt es auch den entsprechenden offiziellen Bericht dazu. Bezieht sich ein Post auf Statistiken, Pressetexte, Studien etc., kann man die oft mit wenigen Klicks selbst im Netz finden und selbst nachlesen. Frei nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Außerdem lohnt sich im Zweifel ein Blick ins Impressum. Wer eine Seite – sei es eine normale Online-Präsenz oder bspw. einen Facebook-Account – geschäftsmäßig betreibt, benötigt ein Impressum. Dort steht u.a., welches Unternehmen hinter einer Seite steht und welche Personen diese Firma vertreten.

Ist das Impressum nicht hilfreich oder vollständig, können bei Webseiten sogenannte Whois-Abfragen sinnvoll sein. Whois-Daten sind öffentlich zugängliche Informationen, die zu registrierten Domains stets vorliegen.

So dürften die Organisatoren von Legida in Leipzig nicht schlecht geschaut haben, als sie die Domain www.legida.de registrieren wollten: Zum Einen existierte die Domain bereits, zum Anderen gehört die Domain laut einer Whois-Abfrage der Piratenpartei Berlin, vertreten durch ihren ehemaligen Landesvorsitzenden Bruno Kramm.

Drittens: Zwei Quellen sind gut, drei sind besser

Lässt sich der Wahrheitsgehalt einer Neuigkeit so nicht eindeutig bestimmen, sollte man sich auf die Suche nach den Wurzeln der Meldung machen. Fast immer gilt: Eine Nachricht ist nur so viel wert wie die dazugehörige Quellenangabe.

Dabei sollte der Verbreiter einer Meldung nicht die einzige Quelle sein. Stattdessen sollte es noch mindestens eine weitere – von der Primärquelle unabhängige – zweite Quelle geben, die den Sachverhalt bestätigt. Idealerweise gibt es weitere Personen oder Institutionen, die keine Verbindung zur Primärquelle aufweisen und die Meldung bestätigen können.

Die Syker Kreiszeitung verzichtete am 17. November 2015 ganz auf die Nennung einer konkreten Quelle: Als ein Fußball-Länderspiel in Hannover wegen einer Sprengstoffdrohung abgesagt werden musste, berichtete die Zeitung, dass eine Bombe in einem Rettungswagen vor dem Stadion entdeckt worden sei. Die Meldung der Syker Kreiszeitung machte schnell die Runde – selbst als der Fund vom niedersächsischen Innenminister bereits dementiert worden war.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2017, 06:57:55