Fahrtests für Senioren? Ein Pro & Contra

Gepostet am 06.02.2019 um 18:07 Uhr

Viele Forscher sprechen sich dafür aus, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ist strikt dagegen: Sollte man Fahrtests für Senioren einführen? Ein Pro & Contra von Christopher Jähnert und Horst Kläuser.

Christopher Jähnert: Fahrtests sind eine gute Idee
Ich halte es für eine gute Idee, regelmäßig die Fahrtüchtigkeit zu überprüfen. Der Verkehrsminister sagt zwar, er wolle da eher auf Eigenverantwortung setzen, aber das kann eigentlich nicht die Lösung sein. Denn: Wer gibt schon freiwillig zu, dass er langsamer geworden ist, dass die Augen schlechter geworden sind oder dass man ab und zu mal nicht mehr so ganz aufmerksam ist? Eben. Selbst, wenn das einige tun – viele tun das nicht. Mit einem regelmäßigen Test hätte man auch klare Kriterien, die jeder erfüllen muss. Und wenn jemand durchfällt, dann hat das auch seinen Grund. Jetzt sagt der Verkehrsminister aber auch: Unfälle könnten einem 21 Jahre alten Fahrer genau so passieren wie einer 81 Jahre alten Fahrerin. Ja, das ist wohl richtig. Aber was ist das bitte für ein Argument? Nur weil der eine Unfälle baut, darf der andere das auch? Na ja. Und ein fehlender Führerschein muss ja nicht unbedingt bedeuten, dass man von der Außenwelt abgeschnitten ist. Auch da gibt es mit Sicherheit Lösungen: Ein kostenloses Ticket für den Nahverkehr oder Taxigutscheine. Wie auch immer man das löst: Die Diskussion darüber sollte man nicht einfach abwürgen. Sie muss geführt werden. Denn: Jeder Unfall weniger ist grundsätzlich positiv.

Horst Kläuser: Fahrtests wären die falsche Maßnahme
Na, wann haben wir zuletzt von einem 83-jährigen und einem 79-jährigen Raser gehört, die sich ein Wettrennen lieferten? Und wie lange ist es her, dass Oma volltrunken aus der Disko kam? Rücksicht im innerstädtischen Verkehr sehe ich eher bei älteren Verkehrsteilnehmern, ein freundliches Winken, ein Vorfahrt-Gewähren. Lasst den alten Leuten ihren Führerschein! Sie haben Erfahrung, meist genügend Zeit, um nicht zum nächsten Meeting hetzen und drängeln zu müssen. Sie brauchen, erst recht auf dem Land, ihr Auto, um zum Arzt, zum Einkaufen oder auch zum Babysitten der Enkeltochter zu kommen. Sie wollen in den Schrebergarten oder in den Stadtpark. Wenn die Alten beim Seniorentest für Autofahrer durchfielen, nähme man ihnen ein Stück Freiheit und Lebenslust, machte aber den Verkehr nicht wirklich sicherer. Denn Unfälle, die Alte verursachen, sind selten, laufen meist glimpflicher ab, sind Kratzer oder mal ein verbeulter Kotflügel. Sie fahren in der Stadt oder mal ein paar Kilometer Landstraße, drängeln nicht auf der Autobahn. Und wenn sie wirklich nicht mehr hinters Steuer sollten: Ich habe den Eindruck, Senioren sind einsichtiger als Heißsporne jeden Alters.

Zuletzt aktualisiert: 22.07.2019, 16:06:20