Die Sorge ums digitale Geld

Gepostet am 17.07.2019 um 19:15 Uhr

Es war eines der zentralen Themen bei den G7-Finanzministern: die von Facebook geplante Währung Libra. Doch so schön die Idee vom neuen digitalen Bezahlen klingt, so groß ist auch die Skepsis. Von Tom Schneider.

Es war eines der zentralen Themen bei den G7-Finanzministern: die von Facebook geplante Währung Libra. Und so schön die Idee vom neuen digitalen Bezahlen klingt, so groß ist auch die Skepsis.

Von Tom Schneider, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Chantilly

Die Homepage kommt wie bei allen Internet-Produkten cool und weltgewandt daher: Eine junge Frau steht mit verklärtem Blick vor einem Markt in einer afrikanischen Großstadt. Zwei andere zücken vor einer westlichen Geschäftsfassade Smartphone und Portemonnaie. Es ist von neuen Chancen für die gesamte Weltbevölkerung die Rede: Das einfach zu handhabende Internet-Geld Libra würde das Leben der Menschen überall verbessern und den Geld- und Zahlungsverkehr beflügeln.

Facebook könnte schon bald eine Aufsicht vorgesetzt bekommen.

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Die Versprechen: schnell, unbürokratisch, ohne Kosten

Libra soll die Währung werden, mit der Facebook das Geldgeschäft mindestens so aufmischen will wie einst die Kommunikation mit seinem sozialen Netzwerk. Blitzschnelle Überweisungen, keine Kosten und keine lästige Bürokratie lauten unter anderem die Versprechungen für diejenigen, die bald Euro, Dollar, Yuan oder andere Währungen in die neue Internet-Währung tauschen.

Den sozialen Mehrwert daran mag der deutsche Finanzminister nicht erkennen. Der Sozialdemokrat Olaf Scholz sieht Libra in einer Reihe mit vielen Internetangeboten, die zunächst scheinbar gratis daher kommen, am Ende aber doch Kosten und Risiken beinhalten:

„Es gibt schwere Bedenken gegen den Plan. Es geht um die Stabilität von Währungen, es geht um Sicherheit, es geht um Datensicherheit. Und natürlich auch darum, dass das, was an demokratischer Kontrolle hinter Währungen steht, verloren geht.“

Risiken wie auf realem Finanzmarkt

Vieles deutet darauf hin, dass Facebook mit Libra an einer parallelen Finanzwelt bastelt. Allerdings sollen Nutzer den neuen Libra mit ganz realem Geld kaufen, das in einem Währungskorb landet, der den Gegenwert der Internet-Währung abbilden soll. Je nachdem, wie groß dieser wird, könnte eine Währungsmenge von beträchtlicher Größe heranwachsen, inklusive aller Risiken, die auf den realen Finanzmärkten lauern. Plötzliche Kursverschiebungen könnten Libra vor Probleme stellen, für die in der realen Finanzwelt Zentralbanken zuständig sind.

Manch einer erinnert sich schon an die gigantischen Hebeleffekte, die ab 2007 zur Finanzkrise führten und weltweit für Verwerfungen sorgten. „Klar muss sein, dass die bestehenden Regulierungen der Geld- und Finanzmärkte nicht ausgehebelt werden“, heißt es dazu aus der Bundesbank. Dazu gehörten Geldwäsche-Richtlinien ebenso wie die Regelungen, die seit der Finanzkrise zur Stabilität von ganzen Staaten, aber auch zur Festigung der Finanzpolster von Geldinstituten ersonnen wurden. Diese Maßstäbe empfehlen die Währungshüter auch an die Aktivitäten von Facebook anzulegen. Und sollte das Projekt von Facebook zufällig Regulierungslücken offenbaren, müssten diese geschlossen werden.

Auch US-Regierung zeigt sich skeptisch

Doch es ist bei Weitem nicht nur Deutschland, das bei dem Facebook-Projekt auf die Bremse drückt. US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte vor seinem Abflug zum G7-Treffen, sein Ministerium habe dem Konzern „und anderen Anbietern von finanziellen Diensten“ klargemacht, dass sie die gleichen Maßnahmen zum Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung umsetzen müssten wie traditionelle Firmen. Das soziale Netzwerk sei „weit davon entfernt“, von den Behörden grünes Licht für Libra zu erhalten.

Auch US-Präsident Donald Trump hält wenig von der Facebook-Idee. Die Kryptowährung werde „wenig Ansehen und Zuverlässigkeit haben“, und basiere auf „dünner Luft“, so Trump.

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„Es braucht keine zusätzliche Währung“

Dennoch wollen die G7-Finanzminister die Motivation hinter der Facebook-Initiative auch ernst nehmen. „Banken- und Währungssysteme müssen sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, dass Überweisungen zu teuer sind oder Überweisungen zu lange dauern“, sagte Finanzminister Scholz am Rande des Treffens von Chantilly. „Dazu braucht es aber keine zusätzliche Währung, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegt.“

Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von EZB-Direktor Benoît Coeuré hat im Auftrag der G7 ein erstes Strategiepapier vorgelegt, weitere sollen folgen. Ob Facebooks ehrgeiziges Ziel dazu passt, schon 2020 mit Libra zu starten – die Diskussionen der G7 nähren gewisse Zweifel.

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2019, 03:04:57