Mit mehr Geld Extremismus vorbeugen

Gepostet am 19.07.2016 um 18:45 Uhr

Gewalt nicht nur beklagen, sondern vorbeugend aktiv werden. Das forderte Familienministerin Schwesig bei einem Treffen von Bund und Ländern, das bereits vor dem Angriff in Würzburg geplant war. Der Etat für Präventionsarbeit werde verdoppelt. Von A. Ulrich.

Gewalt nicht nur beklagen, sondern vorbeugend aktiv werden. Das forderte Familienministerin Schwesig bei einem Treffen von Bund und Ländern, das bereits vor dem Angriff in Würzburg geplant war. Der Etat für Präventionsarbeit werde verdoppelt.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Vor schnellen Schlussfolgerungen hütet sich Familienministerin Manuela Schwesig. Sie wolle erst mehr über die Hintergründe der Würzburger Attacke wissen, sagte sie. „Für mich ist es sehr schwer vorstellbar, dass jemand bis zur Tat ganz freundlich war und dann auf einmal solche Gewalttaten macht.“

Schwesig will mehr über die Motive des jugendlichen Attentäters von Würzburg wissen und fordert, solche Gewalt nicht nur zu beklagen, sondern auch vorbeugend aktiv zu werden. „Wir müssen viel eher dran sein“, sagt sie und fordert, Präventionsarbeit von Jugendsozialarbeitern in den Fokus zu rücken.

Mehr Geld für Präventionsarbeit

Für diese manchmal so ‚belächelte Präventionsarbeit‘, wie Schwesig sagt, hat sie gerade vom Finanzminister viel Geld bekommen. Im Bundeshaushalt 2017 wurde der Posten verdoppelt: von 50 auf 100 Millionen Euro. Der Familien- und Jugendministerin geht es nun darum, gemeinsam mit ihren Länderkollegen herauszufinden, für welche Projekte das Geld eingesetzt werden soll.

Jugendliche radikalisieren sich selten von Null auf Hundert, sagt Timo Reinfrank von der Amadeu-Antonio-Stiftung. „Es gibt Hinwendungsprozesse zum Rechtsextremismus, zum Islamismus. Das kann man gerade in den sozialen Netzwerken sehr gut beobachten“, so Reinfrank. Man müsse stärker darüber nachdenken, an welcher Stelle es Möglichkeiten zur Intervention gebe.

Zusammenarbeit mit Moscheen?

Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat sieht auch die Moscheen in der Pflicht. „Sie können Orte der Radikalisierung sein, können aber auch sehr gut Orte der Prävention sein, wenn sie mit uns an einem Strang ziehen“, so Kolat.

In einem Zehn-Punkte-Programm haben Bund und Ländern beschlossen, gegen Hass-Parolen im Netz vorzugehen, mobile Beratung gegen Extremismus auszubauen und vor allem in Brennpunkt-Schulen mehr Präventionsarbeit zu leisten. Alles nicht neu, aber so wolle man sich untereinander besser vernetzen: „Raus aus der ‚Projektitis‘, raus aus den Modellprojekten, hin zu einer langfristigen Finanzierung von Leuten vor Ort“, sagte Schwesig.

Auch die Kommunen sollen mehr Geld bekommen. Außerdem wolle Schwesig ein Gesetz zur Extremismusprävention machen – allerdings nicht mehr vor der nächsten Wahl.

Mehr Geld für Präventionsarbeit gegen Extremismus
Angela Ulrich, ARD Berlin
16:00:00 Uhr, 19.07.2016

Zuletzt aktualisiert: 22.08.2019, 17:31:41