Deutschland ist Europameister, was den Verpackungsmüll angeht. Foto: imago/Norbert Schmidt

Europameister im Verpacken: 220 Kilogramm Müll pro Kopf

Gepostet am 26.07.2018 um 16:49 Uhr

Plastik ist Gift für die Umwelt – jeder weiß das. Trotzdem hat Deutschland ein immenses Müllproblem. Höchste Zeit für ein “Möglichst-Wenig”-Verpackungsgesetz, kommentiert Eva Ellermann.

Ich bin auch Europameisterin – leider! Vor kurzem habe ich mir im Netz einen hippen Rucksack bestellt, schon mit schlechtem Gewissen, aber kein Händler in meiner Umgebung hatte die Marke. Der Rucksack kam – im Karton, in einer Plastiktüte, und dann noch in Seidenpapier mit Schleifchen gehüllt. Es soll ja “wertig” aussehen – so viel Verpackung für den Müll, dass es schon fast wieder egal ist, dass der Rucksack aus recycelten Plastikflaschen gemacht ist.

220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf

Die Verpackungsflut überrollt uns: 20 einzeln verpackte kleine Schokoriegel in einer Plastiktüte, der Obstsalat für unterwegs in der Plastikschale, der Coffee-To-Go-Becher aus Styropor, das Aluschälchen für die eine Portion Katzenfutter, das Mini-Marmeladenglas, die Würstchen jetzt in Plastik statt in der Dose. Wir bestellen Online, lassen uns alles einzeln verpackt schicken – und schicken es auch noch zurück, wo alles wieder neu verpackt wird.

Kein Wunder, dass jeder Deutsche mehr als 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf und Jahr wegwirft, so viel wiegen zwei bis drei Waschmaschinen. Knapp die Hälfte davon geht auf unser Konto als Verbraucher, und fast 25 Kilogramm davon sind Plastikverpackungen.


Das Dilemma mit der Ökobilanz

Dabei zeigen wir Verbraucher guten Willen: Ein ganz kleines bisschen ist der Plastikverpackungsmüllberg im Privatverbrauch geschrumpft. Wir geben uns ja Mühe. Wir wissen längst, dass Verpackungen ein Umweltproblem sind. Auf die Plastiktüte im Supermarkt können wir inzwischen schon ganz gut verzichten.

Aber wir stecken in einem Dilemma: Wir greifen öfter zu Glasflaschen oder Aluverpackungen, okay, da wird schon viel mehr recycelt, aber die Herstellung frisst viel Energie. Sogenannte “Unverpackt-Läden” boomen, aber in der Ökobilanz steht der Tofu aus der herkömmlichen Verpackung besser da als der aus dem Unverpackt-Laden.


Alleine geht es nicht: Wir brauchen ein “Möglichst-Wenig-Verpackungsgesetz”

Fazit: die Verpackungsflut können wir Verbraucher alleine nicht aufhalten. Die Industrie ist mindestens die andere Hälfte des Problems. Das neue Verpackungsgesetz, das im nächsten Jahr kommt, wird wenig helfen. Die große Koalition setzt nur auf mehr Recycling, aber was wir brauchen, ist ein “Möglichst-Wenig”-Verpackungsgesetz. Verpackungsmüll vermeiden, das müsste das Ziel sein, und zwar schon bevor der Verbraucher das Produkt in die Hand bekommt.

Wenn die Bundesregierung uns Verbrauchern die Plastiktüten mit Extra-Abgaben austreibt, warum dann nicht auch der Industrie den Verpackungswahn? Und ich finde, besonders abstruse Verpackungen gehören einfach verboten. Die Chancen stehen aber gut, dass wir Europameister bleiben – leider.

Autorin: Eva Ellermann

Zuletzt aktualisiert: 17.11.2018, 14:43:38