Heiner Koch, Erzbischof von Berlin/ Quelle: Erzbistum

“Es gibt keine ungläubigen Menschen”

Gepostet am 15.06.2017 um 14:56 Uhr

Die ARD-Themenwoche “Woran glaubst du?” stellt das Thema Glauben in den Mittelpunkt. Wir haben bei den beiden Berliner Bischöfen sowie den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden und der Muslime nachgefragt. Heute im Interview: Heiner Koch, der katholische Erzbischof von Berlin.

Heiner Koch wurde 1954 in Düsseldorf geboren, 1980 zum Priester geweiht und ist seit 2015 Erzbischof von Berlin.

Woran glauben Sie, Herr Erzbischof?

Also ich glaube zunächst daran, dass die Wirklichkeit mehr ist als das, was wir mit den Sinnen erfassen oder dem Verstand erforschen und planen können. Dahinter gibt es eine größere Welt, die ist Gott. Gott hat ein Herz für jeden Menschen und uns alle.

Warum ist der Glaube auch heute noch wichtig?

Es gibt keine ungläubigen Menschen. Denn: Der eine glaubt, es gibt einen Gott, der andere glaubt hingegen, es gibt keinen. Der eine glaubt an ein Leben nach dem Tod, der andere nicht. Wir unterscheiden nur, was oder wem wir glauben! Der Glaube gehört zu jedem Menschen. Jeder  muss sich bewusst die Frage stellen, woran er glaubt. Diese  Frage ist wesentlich. Es ist eine der Grundfragen im Leben, sie beeinflusst das ganze gesellschaftliche und menschliche Leben.

Haben Sie selbst schon an Gott gezweifelt oder sind vom Glauben abgefallen?

Für einen Christen ist glauben eine Beziehungsfrage zu Gott und Christus. Jede Beziehung hat Höhen und Tiefen. Gerade dann durchzuhalten und zu sagen „ich bleibe dabei“, das ist ganz wichtig. Den menschlichen Glauben kann ich mir ohne Zweifel nicht vorstellen. Ich habe Angst vor Menschen ohne Zweifel. Die denken, sie hätten die Wahrheit im Griff. Das ist fundamentalistisch.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September: Was braucht es aus Ihrer Sicht? Mehr Zusammenarbeit von Politik und Konfessionen oder mehr Trennung von Kirche und Staat?

Das gegenseitige System hat sich in demokratischen und liberalen Gesellschaften bewährt: Der Staat hat die Aufgabe, die Glaubensrichtungen zu fördern, aber ohne Vorgaben zu machen. Andererseits ist es wesentlich, dass wir als Kirchen den Staat und die Gesellschaft fördern. Unser Glaube ist sich dieser sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Wir sind eine bunte Gesellschaft. Daher ist die fördernde Neutralität des Staates und gleichzeitig das Sich-Einbringen der Religionsgemeinschaften so wichtig.

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert: 18.11.2017, 01:47:38