Erdogan-Besuch: Viel Pomp ist noch lange kein Zugeständnis

Gepostet am 27.09.2018 um 12:47 Uhr

Auch wenn dem türkischen Präsidenten ein Staatsbesuch samt Staatsbankett zuteil wird – Erdogan wird sich auch in diesem Rahmen viel Kritik anhören müssen. Ein Kommentar von Christoph Prössl.

Das ist nicht nur das große Besteck, das Erdogan in Berlin erwartet sondern auch das goldene. Die Bundesregierung nimmt diesen Besuch sehr ernst. Aber: gesperrte Straßen, Adlon und Staatsbankett sind nicht immer Zeichen für besonders gute Beziehungen. Die Bundesregierung macht Erdogan auch keine übermäßigen Zugeständnisse. Ein Staatsbesuch mit allem Pomp ist ein Signal, ein Symbol für Partnerschaft – in diesem Fall trotz aller Differenzen. Deutschland kann nicht ohne die Türkei, die Türkei kann erst recht nicht ohne Deutschland und Europa.

Wenn Erdogan mit Bundespräsident Steinmeier zusammen trifft, wird er sich im Schloss Bellevue vom ehemaligen Außenminister auch viel Kritik anhören müssen: dazu, dass immer noch sieben Deutsche in Haft sitzen – ganz offensichtlich aus politischen Gründen. Die Unabhängigkeit der Justiz wird angemahnt, die Pressefreiheit, demokratische Werte.

Wie viel Mahnung und Kritik verträgt eine Beziehung?

Und bei Merkel wird Erdogan das Ganze noch einmal hören und dann über die Wirtschaft reden. Klar. Der deutsche Markt ist für türkische Unternehmen wichtig. Erdogan will Handelserleichterungen erreichen, Zölle sollen abgebaut werden. Dass die wirtschaftliche Lage sich in der Türkei beruhigt, daran hat Deutschland ein großes Interesse. Ein Zusammenbruch der Märkte wäre eine Katastrophe.

Die Türkei ist ein wichtiger Partner im Umgang mit den Flüchtlingen vor allem aus Syrien. Und die Türkei ist auch ein wichtiger Akteur in Syrien. Auf ihn kann Europa einwirken. Aber nur, wenn man miteinander redet. Die Frage stellt sich immer wieder: Wie viel Mahnung und Kritik verträgt eine Beziehung? Wenn er da ist, muss er auch zuhören.

Zuletzt aktualisiert: 21.10.2018, 06:20:47