Endlagersuche nach dem Ausschlussprinzip

Gepostet am 28.06.2016 um 08:37 Uhr

Seit gut 50 Jahren wird in Deutschland Atomstrom produziert. Aber bis heute ist nicht klar, wo der strahlende Müll hin soll. Nun hat sich die zuständige Kommission des Bundestages darauf geeinigt, wie und wo nach einem Endlager gesucht werden soll. Von Alex Krämer.

Seit gut 50 Jahren wird in Deutschland Atomstrom produziert. Aber bis heute ist nicht klar, wo der strahlende Müll hin soll. Nun hat sich die zuständige Kommission des Bundestages darauf geeinigt, wie und wo nach einem Endlager gesucht werden soll.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Jetzt ist klar: Gesucht wird ein Standort für ein Bergwerk, mindestens 300 Meter unter der Erde. Der Müll soll dort in einer Gesteinsschicht gelagert werden, die den gefährlichen Müll einschließt – und zwar für sehr lange Zeit, sagt der Geologe Ulrich Kleemann: Man habe sich darauf verständigt, dass das Lager die bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre biete. Das heißt, dass die Sicherheit die oberste Priorität bei der Suche nach einem Endlager habe  – „und nicht, dass andere Belange etwa Vorrang haben. Das ist eine ganz wichtige Festlegung.”

Infrage für die Einlagerung kommen Salz, Ton oder Granitgestein – vor allem um letztes wurde lange gerungen. Bayern wollte die Kriterien so verschieben, dass Granit de facto ausgeschlossen gewesen wäre – damit wäre Bayern raus gewesen. Umweltverbände wiederum wollten von vornherein den früher als Endlager vorgesehenen Salzstock im Gorleben ausschließen, mit dem Argument “politisch verbrannt”.

Die Suche soll offen beginnen

Aber mit einzelnen Standorten, mit der Frage, wo der Müll genau hin soll, in welches Bundesland, in welche Region, damit hat sich die Kommission ausdrücklich nicht befasst. Die Suche soll offen beginnen. Anhand der Sicherheitsanforderungen werden dann immer mehr Standorte ausgeschlossen. “Im Verfahren sollen dann schrittweise die Kriterien angewendet und die Suchräume weiter eingeengt werden. Man geht also erst einmal in Richtung von Standort-Regionen, für die obertägige Erkundung, bis man dann zu Standorten für eine untertägige Erkundung kommt”, erklärt Kleemann.

Die Öffentlichkeit soll breit beteiligt werden und die Möglichkeit erhalten, rechtlich zu überprüfen, ob korrekt gesucht wurde. Neben der Sicherheit weiteres wichtiges Kriterium: die sogenannte Rückholbarkeit. Wenn etwas schiefläuft im Endlager, solle es die Möglichkeit geben, den Müll wieder herauszuholen.

“Wir haben die verdammte Pflicht”

Trotz aller Gegensätze gab es in der Kommission auch große Einigkeit – darüber, dass ein Endlager gesucht werden muss, und zwar jetzt. Robert Habeck, grüner Umweltminister in Schleswig-Holstein, betont: “Unsere Generation, obwohl wir ja in Teilen dagegen waren, hat den Schlamassel angerichtet. Wir müssen den auch beseitigen. Wir haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit.”

Die Suche und die Diskussionen darüber sowie der Bau werden sich hinziehen – mit der Inbetriebnahme des Endlagers wird erst in gut 30 Jahren gerechnet.

Zuletzt aktualisiert: 21.11.2017, 22:04:21