Die Einigung bei Paketboten ist überfällig

Gepostet am 15.05.2019 um 14:40 Uhr

Die Große Koalition will die Arbeitsbedingungen von Paketboten verbessern. Das ist dringend notwendig. Wir Verbraucher müssen aber auch mit ins Boot geholt werden. Ein Kommentar von Nina Barth.

Mafiöse Strukturen

Klar ist es gut, dass sich die Große Koalition darauf geeinigt hat, die Arbeitsbedingungen für Paketboten zu verbessern. Was könnte man auch dagegen haben? Überraschend ist eher, dass die Bundesregierung da so lange auf der Bremse stand.

Denn jeder weiß ja, dass viele Paketdienste nicht mit fest angestellten Zustellern arbeiten, sondern mit Subunternehmern. Und die zahlen ihren Fahrern zum Teil extrem niedrige Löhne. Was sie oft nicht zahlen – sind Sozialbeiträge. Von den Arbeitszeiten der Fahrer ganz zu schweigen. Ver.di-Chef Frank Bsirske spricht sogar von mafiösen Strukturen.

Einfach weniger bestellen?

Jetzt also werden die Versandunternehmen dazu verpflichtet, Sozialbeiträge für säumige Sub-Unternehmer nachzuzahlen. Das ist längst überfällig.

3,5 Milliarden Pakete sind im vergangenen Jahr ausgeliefert worden – Tendenz steigend. Das heißt, wir Verbraucher haben damit auch was zu tun – ziemlich viel sogar. Denn wir sind es ja, die diese Branche boomen lassen. Nun kann man sagen: Lasst uns doch einfach weniger online bestellen – aber realistisch ist das nicht.

Aber wir sollten uns vielleicht einfach mal bewusst machen, dass nicht immer alles kostenlos möglich sein muss. Warum nicht dafür bezahlen müssen, wenn ich ein Paket zurückschicke? Insofern: eine gute Einigung – aber da könnte auch noch mehr kommen, was uns Verbraucher mit ins Boot holt.

Zuletzt aktualisiert: 14.10.2019, 22:24:13