Neun von zehn ausländischen Fachkräften finden in Deutschland einen Job. Quelle: imago / Thomas Trutschel

Einfacher arbeiten für ausländische Fachkräfte

Gepostet am 07.06.2017 um 15:00 Uhr

Was ist ein Berufsabschluss aus Syrien oder Kroatien in Deutschland wert? Das können Zuwanderer seit rund fünf Jahren überprüfen lassen. Seitdem wurden über 63.000 Anträge gestellt. Bildungsministerin Johanna Wanka zieht eine positive Zwischenbilanz.

Der Syrer Ammar Wanly ist wohl so etwas wie ein Paradebeispiel für das Anerkennungsgesetz, das es seit fünf Jahren gibt:  Weil sein Berufsabschluss in Deutschland voll anerkannt wird, kann der Syrer auch hier  in seinem Traumberuf als Zahntechniker arbeiten. Die Ausbildung hat er in Syrien gemacht. Jetzt arbeitet er in einem Dentallabor im thüringischen Apolda, sein Chef hat ihn nach einem sechswöchigen Praktikum sofort eingestellt.

Neun von zehn Fachkräften finden Job

Am Mittwoch sitzt Wanly neben Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) während sie eine positive Bilanz des Anerkennungsgesetzes zieht. Neun von zehn Fachkräften kommen laut Ministerin mit der Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse in Jobs in Deutschland unter.  „Vor allem in Berufen mit hohem Fachkräftebedarf  wie zum Beispiel im Bereich der Pflege oder in der Elektrobranche – ist die Berufsanerkennung ein wichtiges Element, um bestehenden Engpässen auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen“, erklärte sie. Das Anerkennungsgesetz von 2012 räumt ausländischen Fachkräften das Recht ein, dass ihre berufliche Qualifikation in Deutschland auf Gleichwertigkeit überprüft wird. In den vergangenen fünf Jahren seien drei Viertel aller gestellten Anträge voll anerkannt worden. Die restlichen Fachkräfte hätten sich noch weiter qualifizieren müssen, 2,6 Prozent der Anträge wurden abgelehnt.

Gesteuerte Zuwanderung stärken

Sie wolle erreichen, „dass wir die gesteuerte Zuwanderung stärken und dass die vorhandenen beruflichen Qualifikationen und Potenziale jeder und jedes Einzelnen gehoben werden“, fügte Wanka hinzu.

Das verbessere auch die  Lebenssituation der ausländischen Fachkräfte hierzulande. Die seien zuvor oftmals unter ihrer Qualifikation beschäftigt gewesen. Laut Bundesbildungsministerium hat eine umfangreiche Evaluation ergeben, dass das Bruttoeinkommen der ausländischen Fachkräfte mit der Anerkennung um durchschnittlich 1.000 Euro im Monat wachse. Das sei ein Anstieg um rund 40 Prozent, so die Ministerin. Jeder zehnte Antrag werde bereits aus dem Ausland gestellt.

Auch Industrie profitiert

Auch die Industrie setzt angesichts des Fachkräftemangels voll auf eine Anerkennung ausländischer Abschlüsse. „Laut unserer aktuellen Konjunkturumfrage sorgt sich mehr als jedes zweite Unternehmen um die Fachkräftesicherung“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Auf Basis der Anerkennungsgesetze des Bundes und der Länder könnten die Unternehmen ausländische Berufsqualifikationen und etwaige Qualifikationsbedarfe verlässlich einschätzen. Zwischen 2012 und 2017 sei allein in den Branchen Handel, Industrie und Dienstleistungen rund 12.000 Fachkräften ein beruflicher Nachweis für den deutschen Arbeitsmarkt ausgestellt worden, sagte Dercks.

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2017, 00:00:25