Das Lafontaine-Wagenknecht-Projekt

Gepostet am 16.01.2018 um 15:54 Uhr

Geht es nach Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine, soll die deutsche Politiklandschaft eine starke linke Volkspartei richten. Doch irgendwie kommt dieses Projekt nicht in Schwung. Ein Kommentar von Frank Aischmann.

Die gnadenlose Statistik gibt Sahra Wagenknecht recht: Im Vergleich zur Bundestagswahl 1998 hat die SPD im vergangenen September fast 20 Millionen Wähler verloren. Die Linke dagegen, früher die PDS, konnte in diesem Zeitraum nur 2 Millionen gewinnen. Wenn also Enttäuschung über einen zunehmend unsozialen Kurs Grund war für die massenhafte Abkehr von der SPD, dann hat die nur jeden 10. Ex-SPD-Wähler zur Linken gebracht. In der Tat das Gegenteil von überzeugender linker Performance.

Nun soll es die neue, linke Sammlungsbewegung oder starke linke Volkspartei richten. Ein Lafontaine-Wagenknecht-Projekt, das sich erklärtermaßen an erfolgreichen europäischen Vorbildern in Großbritannien, Frankreich, Spanien oder Griechenland orientiert. Gilt also schon morgen auf Deutschland und Sarah Wagenknecht übertragen: Raus aus ihrer bisherigen Partei, prominente Persönlichkeiten gesammelt und mutig reingestürzt in ein linkes Zukunftsprojekt gegen neoliberale Politik zum Abgewöhnen?

Kräftiger Gegenwind aus der eigenen Partei

Man weiß es nicht. So schnell die Sammlungsbewegungs-Idee in den vergangenen Monaten immer mal wieder aufploppte, so schnell verschwand sie nach kurzer medialer Erwähnung auch wieder. So auch diesmal, der kräftige Gegenwind aus der eigenen Partei, und zwar flügelübergreifend, mag geholfen haben.

„Wo etwas neues entsteht, wachsen die Chancen auf neue Mehrheiten“, hat Sarah Wagenknecht vorausgesagt, die bisherige Linke mit ihren 10% reichten einfach nicht aus, um Politik wirklich zu verändern.

Bewegung kommt von sich bewegen

Es wäre einfach, die vielen offenen Fragen zur neuen linken Sammlungsbewegung zu klären. Also: Gibt es auch bei uns den vermuteten breiten gesellschaftlichen Wunsch danach, und zwar insbesondere unter entmutigten SPD- und Grünenwählern? Was hätte die neue Bewegung aus den Fehlern der bisherigen Partei Die Linke gelernt, die ja letztlich auch als Sammlungsbewegung startete? Ist Sarah Wagenknecht die natürliche Anführerin des neuen Projekts? und: Wie erfolgreich wäre das bei Wahlen – könnte es den Rechts-Trend im Land stoppen?

Bewegung kommt von sich bewegen. Und andere. Und zwar gezielt. Genau das aber fehlt dem Sammlungsbewegungs-Projekt Wagenknecht/Lafontaine. Also: Auf Wiedervorlage.

Zuletzt aktualisiert: 23.09.2020, 05:53:32