Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt in einer Pressekonferenz bekannt, nicht mehr für den Parteivorsitz oder das Kanzleramt zu kandidieren. Foto: imago/ Jens Schicke.

Ein Lächeln zum Abschied

Gepostet am 29.10.2018 um 16:44 Uhr

Angela Merkel hat es verstanden. Sie zieht die Konsequenzen aus den schlechten Wahlergebnissen der Union und verkündet souverän ihren Abgang als Parteivorsitzende. Ein Kommentar von Anita Fünffinger.

Man kündigt Rücktritte nicht mehrmals an, und zieht dann zurück wie Horst Seehofer. Man tritt zurück – oder eben nicht mehr an. So wie Angela Merkel: “Das ist ein sehr schöner Prozess, den hatten wir jetzt 18 Jahre nicht.” – Sagt wer? Der Wirtschaftsflügel der CDU? Die CSU? Die AfD? Christian Lindner? Sie alle mögen Angela Merkel nicht besonders. Und sie alle könnten diesen Satz sagen. Aber er kommt von: Angela Merkel!

Ihr Abgang ist souverän und ein bisschen lustig

Nach 18-jähriger Dienstzeit als CDU-Chefin bleibt Angela Merkel in ihrem Abgang völlig souverän und sogar noch ein bisschen lustig. Schon vor der Sommerpause habe sie entschieden, dass sie nicht mehr als Parteivorsitzende kandidiert. Wann also hätte sie es publik machen sollen? Heute? Früher? Später? Nächste Woche wollte sie es tun, heute war es gerade noch rechtzeitig. Rechtzeitig, und richtig so.

Sie geht jetzt souverän von Bord des CDU-Schiffes. Eine fast gut gelaunte Angela Merkel stand da am Mittag im Konrad-Adenauer-Haus. Andere – vermutlich Herren – hätten den gesammelten Weltschmerz in jeder einzelnen Falte getragen. Angela Merkel machte Grimassen.

Merkel ist konsequent – im Gegensatz zu Seehofer

Soll das jetzt alles darüber hinwegtäuschen, dass die Uhr für Angela Merkel längst getickt hat, dass sie also gerade noch so die Reißleine zieht? Ihre Kritiker werden das so sagen. Angela Merkel hätte den Stab früher übergeben können. Sie wusste wohl nur nicht so recht an wen. Nun, das weiß man bei den vielen Kandidaturen für die Nachfolge jetzt auch nicht. Angela Merkel sagt, sie wünsche sich, dass der gestrige Wahltag als Zäsur gesehen wird.

Sie zieht damit die Konsequenz, weil sie weiß, auch sie ist mitverantwortlich für das katastrophale Bild, das die Bundesregierung abgibt. Sie ist nicht alleine daran schuld. Derjenige, der einen größeren Anteil an dem zerstrittenen Bild hat, heißt Horst Seehofer und man möchte sich allein aus Gründen der ausgleichenden Gerechtigkeit wünschen, dass er es endlich auch versteht.

Es ist schade, sagt Horst Seehofer zu Angela Merkels Entscheidung. Es ist viel mehr schade, dass der CSU-Chef nicht auch endlich Konsequenzen zieht. “Wir haben die Streitereien in Berlin statt”, sagten die Wähler in Bayern wie in Hessen gleichermaßen. Angela Merkel hat verstanden. Im Gegensatz zu anderen.

Autorin: Anita Fünffinger, BR

Zuletzt aktualisiert: 18.11.2018, 15:13:13