Greta Thunberg demonstriert in Berlin für mehr Klimaschutz. Bild: imago/Bildgehege

Ein Jahr Schulstreik für das Klima – was bleibt?

Gepostet am 20.08.2019 um 15:56 Uhr

Heute vor einem Jahr demonstrierte Greta Thunberg zum ersten Mal vor dem schwedischen Parlament. Daraus wurde schnell eine weltweite Klimaschutz-Protestbewegung. Marcel Heberlein über die Auswirkungen auf die Berliner Politik.

Applaus und Jubel gab es für Greta Thunberg in rauen Mengen als sie im März dieses Jahres das erste Mal bei den deutschen Schüler-Protesten für mehr Klimaschutz dabei war. Über 20 000 jubelten Greta am Brandenburger Tor in Berlin zu und feierten sie gerade für ihre harten Ansagen an die Politik und an jeden Einzelnen, endlich tiefgreifend etwas zu ändern, um das Klima der Welt zu schützen.

„Wir sollten Panik kriegen, denn nur so werden wir die eigene Komfortzone verlassen“, das ist Greta Thunbergs Hoffnung für die Welt. In der deutschen Politik ist durch Greta schon ein bisschen Panik aufgekommen. Zehntausende Schülerinnen und Schüler haben sich dem Klima-Protest angeschlossen, 37 Prozent der Deutschen halten Klimaschutz laut einer Forsa-Umfrage für das aktuell wichtigste Problem, bei jungen Wählern ist das Thema sogar noch wichtiger. Die Parteien spüren den Druck. Die Angst, den Klimaschutz-Trend zu verschlafen und damit vielleicht eine ganze Wählergeneration zu verlieren, treibt fast alle zu neuen Höchstleistungen. Zumindest was das Vorschläge-Machen angeht.

Von der Angst, den Klimaschutz-Trend zu verschlafen

Ein aktuelles Beispiel dafür ist der CSU-Chef Horst Seehofer: „Ich glaube, dass ein frühzeitiger Kohleausstieg der bessere Weg wäre. Wir brauchen in der Verkehrspolitik ein klares Bekenntnis mehr pro Bahn. Wir brauchen drittens neue Motoren bei der Automobilität. Und wir müssen auch Co2 aus der Atmosphäre nehmen. Deswegen wollen wir in Bayern allein 30 Mio neue Wälder und Bäume pflanzen, um Co2 der Atmosphäre zu entziehen.“

Doch umgesetzt ist davon noch nichts. Und gerade CSU und CDU hadern noch mit ihrer Position beim Klimaschutz. Die Linke setzt ganz auf den Staat, die FDP auf den Markt, die Grünen gelten eh als Klimaschutz-Original, die SPD versucht nachzuziehen, die AfD bezweifelt, dass es Klimaschutz überhaupt braucht. Jeder scheint seine politische Rolle gefunden zu haben. Nur die Union zweifelt noch.

Im Konkreten wird es kompliziert

Einen Preis für den Ausstoß von Co2 zum Beispiel, den will sie wohl auch. Aber wie hoch soll der sein? Wer legt ihn fest? Wie sehr werden Menschen entlastet, die besonders viel Co2 ausstoßen, weil sie viel Auto fahren müssen oder alte Öl-Heizungen haben? Im Konkreten wird es kompliziert, das weiß auch die Kanzlerin. Und antwortet auf die Frage, was Greta Thunberg denn in Deutschland verändert habe, ganz klassisch merkelisch verschwurbelt: „Die Ernsthaftigkeit mit der Greta, aber auch viele viele junge Leute uns darauf hinweisen, dass es um ihr Leben geht, die hat uns schon nochmal dazu gebracht auch sicherlich entschlossener an die Sache heranzugehen.“

Immerhin hat sich die Regierung eine Deadline gegeben, um nicht nur entschlossener an das Thema heranzugehen, sondern auch zu handeln. Am 20. September soll der Klima-Plan der Regierung fertig sein. Dann tagen zum nächsten mal alle Ministerinnen und Minister, die etwas mit Klimaschutz zu tun haben. Dann wird klar werden, wie weit Greta Thunberg und die Fridays for Future, die Regierung wirklich aus ihrer Komfortzone herausgetrieben haben.

Zuletzt aktualisiert: 20.09.2019, 01:52:51