Eigentlich geht es Trump um China

Gepostet am 01.06.2018 um 15:31 Uhr

Trump ist im Fall der US-Strafzölle kein irrlichternder Radikalpopulist, der die Welt mit Alleingängen in Atem hält. Vor allem geht es ihm um den Führungsanspruch der USA gegenüber China, kommentiert Matthias Reiche.

Man muss kein Sympathisant des US-amerikanischen Präsidenten sein, um anzuerkennen, dass er kein Mann leerer Worte ist. Donald Trump meint, das Dauerdefizit in der US-Handelsbilanz sei die Folge des unfairen Verhaltens der Europäer und Chinesen, weil die mit ihren Produkten den amerikanischen Markt fluten, sich selbst aber abschotten.

Dieser Logik folgend setzt der Präsident, wie bereits im Wahlkampf angekündigt, auf Protektionismus und Isolationismus. Die betroffenen Länder wie China, Kanada, Mexiko und auch die EU wollen reagieren und könnten ihrerseits Handelsbarrieren für US-Waren errichten.

So erwägen die Europäer Zölle beispielsweise auf Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder, Orangensaft oder Cranberrys zu erheben. Donald Trump könnte darauf mit Strafzöllen auf Importe europäischer Autos reagieren, was Deutschland sehr treffen würde.

Mehr als eine Million Jobs

An der Branche hängen hierzulande mehr als eine Million Jobs. Schaukelt sich der Konflikt weiter hoch, würde der seit der Finanzkrise ohnehin schon niedrige Welthandel weiter einbrechen. Gleichzeitig würden viele Produkte für viele Menschen teurer und die Auswahl geringer. Die Herstellerbetriebe müssten ihre Produktion runterfahren, Beschäftigte entlassen, einige Firmen würden auch Pleite gehen.

Es wäre nicht der erste Handelskrieg, den die USA vom Zaun brechen. So wie in den 1950er Jahren, als man im sogenannten Uhrenkrieg den Zoll für Schweizer Fabrikate auf 53 Prozent beinah verdoppelte. Später gab es dann noch den Autokrieg mit Japan und Anfang der 90 Jahre den so genannten Bananenkrieg. Der allerdings ging mehr von der Europäischen Union aus, die ihre Früchte von den Kanaren und aus den ehemaligen Kolonien gegen die Importe US-amerikanischer Konzerne wie United Fruits, Chiquita oder Dole schützen wollte.

Der Führungsanspruch der USA

Bei dem Handelsstreit heute aber ist vieles anders. Denn es geht nicht wirklich um die Schieflage der US-Handelsbilanz. Und Donald Trump ist auch nicht ein irrlichternder Radikalpopulist, der scheinbar planlos die Welt mit seinen drastischen Alleingängen in Atem hält.

Vielmehr steht er für die Kräfte, die den Führungsanspruch der USA vor allem gegen China verteidigen wollen, das die USA auf allen Feldern herausfordert – technologisch, wirtschaftlich, politisch und militärisch. Nicht erst seit der Seidenstraßeninitiative wird deutlich, dass die Chinesen sich nicht mit einem Platz im Schatten der Vereinigten Staaten zufrieden geben wollen.

Spiel mit dem Feuer

Auf Trumps Spiel mit dem Feuer reagiert Peking bisher noch zurückhaltend und hat den USA auch Zugeständnisse bei zahlreichen Produkten in Aussicht gestellt. Gleichzeitig erwäge man aber auch rund 128 US-Produkte wie Schweinefleisch, Stahlrohre, Früchte und Wein mit höheren Abgaben zu belegen. Ansonsten rufe man Washington auf, den Konflikt besser durch Gespräche zu lösen, um einen Schaden für die gegenseitigen Beziehungen zu verhindern.

Aber China sei auf jeden Fall auch bereit, seine legitimen Interessen mit allen Mitteln zu verteidigen. Und nicht nur weil das Land mit US-Staatsanleihen im Wert von 1,2 Billionen US Dollar der größte Gläubiger der USA ist, kann man das durchaus auch als Drohung verstehen.

Zuletzt aktualisiert: 22.09.2018, 14:56:47