Dr. Giffey bleibt – eine gute Nachricht

Gepostet am 31.10.2019 um 14:49 Uhr

Franziska Giffey behält ihren Doktortitel und bleibt Familienministerin. Zum Glück, findet Kilian Pfeffer. Sie habe Fähigkeiten, die bei Politikern nicht oft zu finden sind. Folgt bald der nächste Karriereschritt? Ein Kommentar.

Wer genau gelauscht hat, konnte gestern Abend gegen halb acht ein Prasseln hören. Das waren Steine. Sie sind SPD-Mitgliedern, Mitarbeiterinnen im Familienministerium, Wählern und Franziska Giffey selbst vom Herzen gefallen. Die Freie Universität Berlin hat entschieden, dass die Familienministerin ihren Doktortitel behalten kann. Sie kommt mit einer Rüge davon. Das ist eine gute Nachricht, finde ich.

Eine Sprache, die die Menschen verstehen

Und zwar, weil sie einen selten Typus Politikerin verkörpert, wie wir ihn dringend brauchen. Ich erkenne bei ihr den Willen an, sich wirklich für die Menschen einzusetzen. Auf sie zuzugehen, ihnen zuzuhören. Und so zu sprechen, dass man sie auch versteht. Davon könnten sich einige, nein: viele Politiker eine Scheibe abschneiden.

Das geht bei den Gesetzesnamen los: Gute-Kita-Gesetz, Starke-Familien-Gesetz. Na klar kann man sich darüber lustig machen und die Eigenwerbung kritisieren. Habe ich auch schon getan. Aber zugleich erkenne ich das Bemühen an, verständlicher sprechen zu wollen.

Der Originalname des Gute-Kita-Gestzes ist übrigens: „Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Verbesserung der Teilhabe in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege.“ Alle noch wach?

Sicherheit und Ordnung

Erfreulich auch die Klarheit, mit der Giffey sich dafür einsetzt, dass gesellschaftliche Regeln eingehalten werden müssen. Da stöhnen manche in der SPD, besonders im Berliner Landesverband, aber wie soll es denn sonst funktionieren?

Es ist eigentlich bestürzend, dass man das hervorheben muss. In Neukölln, dem problemgeschüttelten Berliner Bezirk, in dem Giffey Bürgermeisterin war, bekommt man nur so Respekt.

Welche Türen stehen ihr jetzt offen?

Für die SPD ist es eine gute Nachricht, dass ihr eines ihrer größten Talente erhalten bleibt, eines der wenigen mit Ost-Hintergrund. Auch wenn es für eine Kandidatur für den Parteivorsitz nun zu spät ist. Dafür hat die Universität zu lange geprüft.

Nun wird schon über Giffey nächsten Karriereschritt spekuliert: Könnte sie Bürgermeisterin von Berlin werden? Das ist erstmal egal. Ihre Arbeit als Bundesfamilienministerin will sie, Zitat: „mit großem Engagement und viel Freude fortsetzen“. Und bei aller Selbstinszenierung: das kann man ihr glauben.

Zuletzt aktualisiert: 17.11.2019, 10:32:02