Audi hinkt bei Updates hinterher

Gepostet am 03.09.2019 um 06:00 Uhr

Audi hat Probleme bei der Nachrüstung manipulierter Diesel-Fahrzeuge mit Software-Updates. So legte das Unternehmen den Behörden für mehrere Modelle noch immer keine vollständigen Antragsunterlagen vor. Von A. Meyer-Fünffinger und J. Streule.

Audi hat Probleme bei der Nachrüstung manipulierter Diesel-Fahrzeuge mit Software-Updates. So legte das Unternehmen den Behörden für mehrere Modelle noch immer keine vollständigen Antragsunterlagen vor.

Von Arne Meyer-Fünffinger und Josef Streule, BR

„Unser Anspruch ist es, die Dieselkrise konsequent und lückenlos aufzuarbeiten“, schreibt Audi in einer Pressemitteilung von November 2018. Doch bis heute gibt es bei dem Ingolstädter Autobauer große Lücken hinsichtlich der Updates von Dieselautos, die das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum Teil vor mehr als zwei Jahren zurückgerufen hat. Und dabei hatte die Behörde in ihren Bescheiden immer die „sofortige Vollziehung“ der geforderten technischen Maßnahme gefordert.

In den manipulierten Fahrzeugen verbaute Audi meist vier verschiedene Abschalteinrichtungen, wie im Juli veröffentlichte BR Recherchen gezeigt haben.

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Antragsunterlagen von Audi fehlen

Bis heute hat das Unternehmen dem KBA unter anderem für die 3.0-Liter-Modellreihen A4, A5, Q7, A6, A7 und A8 „keine vollständigen Antragsunterlagen vorgelegt. Daher konnten die Software-Updates noch nicht freigegeben werden“.

So steht es in einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Sie liegt BR Recherche und dem Handelsblatt vor. Anfang 2018 hatte das Kraftfahrt-Bundesamt Audi aufgefordert, „bis Anfang Februar ein Motorsoftware-Update für die betroffenen Fahrzeuge vorzustellen“. Das ist offenbar bis heute nicht geschehen.

Audi: „Sind in laufenden Gesprächen mit Behörden“

Audi teilte auf BR-Anfrage mit, aktuell befänden sich „fünf von insgesamt acht Bescheiden zu V6 beziehungsweise V8-TDI-Fahrzeugen in der Umsetzung. Das entspricht bundesweit mehr als zwei Drittel der insgesamt rund 151.000 mit einem Bescheid belegten Fahrzeuge der Abgasnormen Euro 6“.

Wann diese komplett abgearbeitet sein werden, teilte das Unternehmen nicht mit. „Zu den weiteren Modellen sind wir in laufenden Gesprächen mit den Behörden über die vorgestellte Lösung“, hieß es.

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Kein Update für A8 trotz hohem Schadstoffausstoß

Noch keine Lösung gibt es für einen besonders eklatanten Fall: So hat Audi nach wie vor kein Software-Update für die Luxuslimousine A8 mit 4.2l Euro 6-Motor geliefert. Das KBA hatte das Auto vor etwa zwei Jahren per Bescheid zurückgerufen, nachdem die Deutsche Umwelthilfe bei diesem Modell die höchsten jemals bei einem Euro-6-Fahrzeug gemessenen Stickoxid-Werte festgestellt hatte.

Dem BR Recherche vorliegenden KBA-Bescheid zufolge waren in dem Fahrzeug von Audi vier Abschalteinrichtungen installiert. Das Amt forderte auch in diesem Fall die „sofortige Vollziehung“ zum „Schutz der Allgemeinheit vor schädlichen Abgasemissionen“. Geschehen ist bis heute nichts.

Interne Messungen bestätigten DUH-Werte

Und dabei hat Audi bei eigenen internen Messungen nach Informationen von BR Recherche die auffällig hohen Abgaswerte der Luxuslimousine bestätigt. Öffentlich kommentieren wollte das Unternehmen den Sachverhalt bisher nicht.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums konnte das KBA in diesem konkreten Fall noch kein Update freigeben, da die notwendigen Tests durch die zuständige Genehmigungsbehörde in Luxemburg noch nicht abgeschlossen wurden.

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Luxemburger Behörde widerspricht Ministerium

Die Société Nationale de Certification et d`Homologation (SNCH) widerspricht dieser Darstellung. Ein Sprecher der luxemburgischen Behörde teilte dem BR schriftlich mit, nicht die SNCH führe diese Tests durch, sondern sie leite die Prüfberichte zu den Updates von anderen technischen Diensten an das KBA weiter. „In dem Sinne kann hier nicht von Tests der luxemburgischen Genehmigungsbehörde gesprochen werden“, so der Sprecher.

In der Vergangenheit hatte Audi bei der SNCH wiederholt Typgenehmigungen für verschiedene Modelle beantragt und auch ihr gegenüber die Existenz von unzulässigen Abschalteinrichtungen verschwiegen.

Bundesamt verzichtet auf mögliche Sanktionen

Das KBA könnte nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums bei bis heute nicht umgerüsteten Fahrzeugen zu Strafmaßnahmen greifen, „dies schließt unter bestimmten Voraussetzungen den Entzug der Typgenehmigungen ein“.

Die Folge wäre, dass Fahrzeuge, die momentan auf der Straße unterwegs sind, stillgelegt werden könnten. Auf eine solche Maßnahme habe das Kraftfahrt-Bundesamt allerdings bisher verzichtet, so das Bundesverkehrsministerium in der parlamentarischen Anfrage.

Grüne: Audi verschleppt Aufarbeitung systematisch

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünenbundestagsfraktion, Stephan Kühn, kritisiert, Audi verschleppe die Aufarbeitung des Abgasbetrugs systematisch. Auch mit dem Bundesverkehrsminister geht er hart ins Gericht: „Man muss den Eindruck gewinnen, dass CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer über das in Bayern beheimatete Unternehmen schützend seine Hand legt.“

Kühn hatte die parlamentarische Anfrage an das Bundesverkehrsministerium gerichtet, nachdem BR und Handelsblatt im Juli Recherchen veröffentlicht hatten, wonach Audi bei seinen Diesel-Fahrzeugen in größerem Umfang und deutlich früher als bisher bekannt unzulässige Abschalteinrichtungen verbaut hatte.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2019, 01:14:28