Autokonzerne treten auf die Bremse

Gepostet am 28.12.2018 um 17:44 Uhr

Im Kampf gegen Fahrverbote für Dieselbesitzer hat das Verkehrsministerium die Regeln für Hardware-Nachrüstungen vorgelegt. Fahrern hilft das nur bedingt. Von Andrea Müller.

Im Kampf gegen Fahrverbote für Dieselbesitzer hat das Verkehrsministerium die Regeln für Hardware-Nachrüstungen vorgelegt. Fahrern hilft das nur bedingt.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Einige Nachrüster haben schon vorgearbeitet. Zum Beispiel Hubert Mangold, ein Katalysatoren-Hersteller aus Eschenlohe. Sehr ambitioniert seien die Anforderungen des Bundesverkehrsministeriums, sagt er im Bayerischen Rundfunk, aber machbar. In einem zweiten Schritt würden sie sich an die Genehmigungen machen. Mangold ist aber zuversichtlich, schon 2019 ein Ergebnis zu sehen.

Auf 30 Seiten listete das Ministerium auf, was sie liefern müssen, damit das Kraftfahrtbundesamt ihre Sets genehmigt. Sie müssen den Stickoxidausstoß  auf weniger als 270 Mikrogramm pro Kilometer drosseln. Und sie müssen die Einbauten testen lassen. Nicht auf dem Prüfstand, sondern unter Realbedingungen: Bei Stadtfahrten, auf Landstraßen und auf der Autobahn. Dabei darf das Fahrzeug nicht lauter werden.

Regelwerk ohne Zeitrahmen

Und dauerhaft funktionieren müssen die Katalysatoren auch: fünf Jahre oder 100.000 Kilometer. Einen Zeitrahmen setzt das Ministerium den Nachrüstern nicht. Das gibt Sprecherin Svenja Friedrich zu. „Wie schnell die Anträge kommen, wie schnell diese Sets dann erstellt sind, und wann sie angeboten werden, das entzieht sich unserer Erkenntnis“, sagt sie. „Ich kann Ihnen nicht sagen, ob es sich dabei um sechs oder 18 Monate handelt.“

Auch die Frage, wer die 3000 Euro teure Umrüstung bezahlt, ist nicht geklärt. Im Gegenteil. Die Autobauer haben die Bremse noch einmal entschieden durchgetreten. Offensiv warnen sie Dieselbesitzer davor, sich auf eine Nachrüstung einzulassen. „Wir übernehmen dann keine Garantie mehr für das Fahrzeug“, heißt es vom Bundesverband. „Das bringt technisch nur Nachteile für den Kunden“, erklärt VW.

NABU fordert mehr Druck auf Autobauer

Umweltverbände wie der NABU fordern mehr Druck auf die Industrie. „Einige haben betrogen, andere haben Grenzwerte einfach nicht eingehalten. Die Politik hat weggeschaut. Das kann man nicht auf diejenigen abwälzen, die Diesel gekauft haben – zumal man es damals auch gewollt hat, dass die Leute Diesel-Fahrzeuge kaufen. Also hier ist es absolut notwendig, dass die verpflichtende Nachrüstung kommt.“

NABU-Präsident Tschimpke steht nicht allein. Auch der Bundesverband der Verbraucherzentrale wirft den Autobauern Blockade vor. Der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic sieht den Verkehrsminister in der Pflicht. Er verlangt einen nationalen Dieselfonds, um die Nachrüstung zu finanzieren. Etwas Ähnliches schlägt auch der Katalysatoren-Hersteller Mangold vor. „Wir empfehlen, dass der Bund eine Art Vorfinanzierung macht und später über die Rückführung der Kosten mit den jeweiligen Autoherstellern verhandelt, dass sich die dann auch anteilig daran beteiligen.“

Die Firma von Hubert Mangold mag mit den technischen Vorschriften des Verkehrsministers einen Schritt weiter sein. Für Dieselfahrer hat sich mit den 30 Seiten aus dem Verkehrsministerium erst einmal nichts geändert.

Diesel-Nachrüstung: Die Regeln stehen – Die Autobauer blockieren
A. Müller, ARD Berlin
16:45:00 Uhr, 28.12.2018

Über dieses Thema berichtete am 28. Dezember 2018 NDR Info um 14:50 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 16.07.2019, 15:05:34