Die Union am Abgrund – das ist kein Spiel!

Gepostet am 15.06.2018 um 13:24 Uhr

Eine tief empfundene Feindschaft zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer, eine CSU, die vom Original AfD abkupfert und Parteitaktik vor Verantwortung stellt. Keine gute Idee, kommentiert Angela Ulrich.

Nein, das ist kein Spiel. Kein Theater, kein „Bühne frei“. Und genauso daneben sind die lockeren Fussball-Vergleiche, die ich ständig höre und lese, von Doppelpässen, Fouls und Eigentoren auf dem politischen Spielfeld. Dafür ist das Unions-Zerwürfnis zu ernst. Es geht um mehr als nur um die Bundesregierung. Es geht um alles. Um Europa. Um Verantwortung. Und darum, was passieren kann, wenn sie nicht wahrgenommen wird.

Die CSU treibt einen inhaltlichen Detail-Streit mit der Schwesterpartei CDU dermaßen auf die Spitze, dass mir schwarz vor Augen wird. Die Bayern, Seehofer, Dobrindt, Söder, haben die Landtagswahl im Blick, und stellen Parteitaktik über Verantwortungsbewusstsein.

Tief empfundene Feindschaft

Zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer ist es noch mehr: Eine tief empfundene Feindschaft und ein Mangel an Vertrauen, der den Blick verschwimmen lässt. Angela Merkel bekommt ebenfalls Schaum vor dem Mund und lässt wohlüberlegte und wohldosierte Führungsstärke völlig fahren.

Wie kann sich eine so erfahrene Kanzlerin so herausfordern lassen? Wie kann sie so auf stur schalten, statt zu umarmen, und vor allem: zu erklären? Wer in der Demokratie Mehrheiten bekommen will, muss für sich und seine Ideen werben, muss erklären, worum es ihm – oder ihr – geht. Merkel hat das noch nie richtig hinbekommen. Das rächt sich jetzt.

Verheerender als Wildbad Kreuth

Die CSU hat erst einmal mit dem Ende ihrer Fraktionsgemeinschaft mit der CDU geliebäugelt. Aber damals, in den 70ern, war das in Wildbad Kreuth ein Tumult auf der Tribüne – die Union war in der Opposition. Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl haben sich quasi im Abseits beharkt. Um wieviel verheerender ist, was jetzt passiert.

Vor allem, weil die Welt in Turbulenzen ist, Populisten auf dem Vormarsch, ein US-Präsident gerade die westliche Ordnung in Frage stellt. Hallo CSU? Ist da jemand? Ist Abkupfern vom Original AfD eine gute Lösung? Ich meine nein. Und hoffe gleichzeitig, dass ich nicht recht behalte mit der Sorge, dass uns am Ende sogar Europa um die Ohren fliegen könnte.

Verteidigen, was uns wichtig ist

Denn mir liegt diese Gemeinschaft am Herzen. Ich mache mir Sorgen darum, dass wir gerade leichtfertig verspielen, was wir uns mühsam in den letzten 60 Jahren aufgebaut haben. Offene Grenzen in Europa. Völkerverständigung. Neugier auf das Fremde. Toleranz.

Parteitaktik und fehlendes Verantwortungsbewusstsein einer Regionalpartei aus dem Süden darf das nicht kaputt machen. Wir sind alle gefragt: Laut zu werden, genau das klar zu machen: Es ist nicht over, sondern wir verteidigen, was uns wichtig ist.

Zuletzt aktualisiert: 20.09.2018, 22:13:26