Zerreißt sich die SPD selber? Foto: imago/IPON

Die SPD und ihre Selbstvernichtungsphantasie

Gepostet am 09.02.2018 um 17:47 Uhr

Eine Traditionspartei zerreißt sich selbst. Mit einem Rückzug kann Martin Schulz die SPD nun nicht mehr beruhigen. Es muss erst schlimmer werden, bevor es besser wird, kommentiert Katrin Brand.

Heute ist ein Tag, an dem mir die Worte fehlen. Wie soll ich das einzigartige Drama um die SPD beschreiben, das sich gerade vor unseren Augen entfaltet? Nie hat es das in der Geschichte der Bundesrepublik gegeben, dass sich eine Partei selber zerreißt. Nicht irgendein Neuling zerfetzt sich da, sondern eine eigentlich etwas brave Traditionspartei, die vier Jahre lang ordentlich regiert hat, dafür aber nicht vom Wähler belohnt wurde.

Seit dem Wahltag herrscht an der SPD-Basis Weltuntergangsstimmung, die sich zu einer Selbstvernichtungsphantasie gesteigert hat, seit erneut die Regierungsverantwortung droht.

Ganz offenbar hat die Führung der SPD bis heute nicht verstanden, wie schlimm es um ihre Leute steht. Der Parteitag Ende Januar war ihr Versuch, mit Argumenten und Abstimmungen so etwas wie Zusammenhalt herzustellen. Aber da hält nichts mehr zusammen.

Das hat Martin Schulz nicht erkannt, sonst hätte er nicht Fehler um Fehler gemacht. Als Parteichef zu kneifen, wo er doch gerade erst gewählt war! Einen Ministerjob anzumelden, den er doch ausdrücklich abgelehnt hatte! Das war mit der verstörten Partei nicht zu machen. Und nicht mit dem gekränkten Sigmar Gabriel.

Nur: Schulz’ Rückzug wird wohl nicht reichen, um die aufgewühlte SPD zu beruhigen. Für sie muss es erst schlimmer werden, bevor es besser wird.
Und weil alles mit allem zusammenhängt, heißt das: Erst wenn das Mitgliedervotum verloren ist, wenn auch die nächste Parteichefin gestürzt ist, wenn nach Neuwahlen die SPD von der AfD überholt worden ist, dann kann es für die SPD wieder besser werden.

Wenn es dann noch eine SPD gibt.

Zuletzt aktualisiert: 27.05.2018, 09:41:45