Die SPD braucht vieles, aber keinen Kanzlerkandidaten

Gepostet am 07.01.2019 um 14:35 Uhr

Hätte Olaf Scholz die Frage, ob er sich vorstellen könne, SPD-Kanzlerkandidat zu werden, nicht beantworten wollen, hätte er sie nicht beantwortet. Hat er aber – und sich damit lächerlich gemacht. Daniel Pokraka kommentiert.

Der falsche Zeitpunkt und der falsche Mann. Findet die stellvertretende Juso-Chefin Katharina Andres, und sie hat recht. Welcher Teufel hat Olaf Scholz geritten, als er sich als Kanzlerkandidat ins Gespräch brachte? Manche sagen: Naja, er sei eben gefragt worden, habe ehrlich geantwortet, und gleich hinterhergeschickt, dass die K-Frage in der SPD jetzt nicht ansteht.

Aber Olaf Scholz ist Profi. Und wenn Spitzenpolitiker eins können, dann das: Fragen nicht beantworten, die sie nicht beantworten wollen. Hätte Scholz also nicht sagen wollen, dass er sich das Kanzleramt zutraut – dann hätte er es auch nicht gesagt. Hat er aber – und sich damit lächerlich gemacht.

Die SPD braucht gerade keine Kandidaten-Debatte

Im Moment braucht die 15-Prozent-Partei SPD vieles, aber keinen Kanzlerkandidaten, und eine Debatte darüber kann sie auch nicht gebrauchen. Und selbst wenn – dann wäre Scholz ganz sicher der falsche Kandidat. In der SPD ist er notorisch unbeliebt und kann die Partei schon deshalb nicht mitreißen. Er steht weder für Aufbruch noch für Visionen, wirkt selten wie ein Politiker, der gestalten will, sondern eher wie ein Beamter, der Aufgaben abarbeitet.

Will der Finanzminister Olaf Scholz das Steuersystem gerechter machen? Geringverdiener entlasten? Steuervermeidung bekämpfen? Von Scholz hört man wenig über all das. Am auffälligsten ist der Finanzminister als Verwalter der „schwarzen Null“. Deutschland und die am Boden liegende SPD brauchen aber jemanden, der einen Neustart verkörpert, der Ideen hat und Lust auf Zukunft weckt. Das Problem ist, dass die SPD so jemanden offenbar nicht hat. Und Olaf Scholz ist es schon gar nicht.

Zuletzt aktualisiert: 20.09.2019, 08:18:19