Die Sorgen des CvD

Gepostet am 13.11.2016 um 12:17 Uhr

Themen suchen, mit Autoren sprechen, Interviewpartner einladen. Der Chef vom Dienst, kurz CvD, sorgt im Hintergrund einer Sendung dafür, dass nichts schief geht. Manchmal gar nicht so einfach.

Ich hab heute Nacht schlecht geschlafen. Erst piesackte Anton Hofreiter von den Grünen meine Gedanken. Dann erschien in meinem Unterbewusstsein CDU-Politiker Norbert Röttgen – und meine Chefredakteurin, Tina Hassel, mischte irgendwie auch mit. Ich bin ziemlich früh aufgestanden.

Jetzt ist es 10 Uhr. Dritter Kaffee. Ich grüble nach über Szenarien. Davon gibt es einige an diesem Sonntag. Zur Erklärung: Ich bin CvD für den Bericht aus Berlin. CvD, das steht für Chef vom Dienst. Ein Job im Hintergrund. Man plant die Sendung: 18 Minuten Länge, das heißt: unter der Woche zwei möglichst relevante, politische Themen suchen; zwei Autoren in die Spur schicken, zwei Gesprächspartner einladen. Abstimmung mit Moderatorin, Grafik. Es gilt, die Fäden zusammenzuhalten – und Ruhe zu bewahren.

Diesmal ist das schwieriger als sonst, deshalb die Grübelei. Das geringste Problem scheint mir, dass die Moderatorin, Tina Hassel, gar nicht hier ist. Zumindest nicht bis Sonntag, 17 Uhr. Sie will, solange es geht, den Grünen-Parteitag in Münster erleben. Sie, die Berichterstatterin, will nah dran sein. Für mich, als CvD, ist das ein Risiko. Zwei Interessen prallen aufeinander. Ich ziehe den Kürzeren.

Cem Özdemir, Bündnis 90/ Die Grünen, Parteivorsitzender und Tina Hassel, Chefredakteurin des ARD-Hauptstadtstudios und Moderatorin Bericht vom Parteitag bei der Aufzeichnung des Interviews für den Bericht vom Parteitag. Bundesdelegiertenkonferenz am 13.11.2016 in Münster. Quelle: ARD-Hauptstadtstudio

Cem Özdemir, Bündnis 90/ Die Grünen, Parteivorsitzender und Tina Hassel, Chefredakteurin des ARD-Hauptstadtstudios und Moderatorin bei der Aufzeichnung des Interviews am Sonntagvormittag für den Bericht vom Parteitag. Bundesdelegiertenkonferenz am 13.11.2016 in Münster.

Am Mittag will Hassel in den Zug zurück nach Berlin steigen. Beruhigend finde ich das nicht gerade, lasse mir aber nichts anmerken (siehe oben: Ruhe bewahren). Auf ihrem Hinweg saß Hassel in Hamm fest. Drei Züge fielen aus, sie kam mehrere Stunden zu spät. Bitte, lass das nicht auf dem Rückweg passieren. Notfalls steht aber Thomas Baumann bereit, der stellvertretende Chefredakteur. Er könnte die Sendung auch moderieren. Ich bin beruhigt. 18 Minuten sind sonst verdammt lang…

Auch Anton Hofreiter will möglichst lange in Münster sein. Klar, ist ja auch sein Parteitag. Er will Grünen-Spitzenkandidat werden. Ich will aber, dass er rechtzeitig im Studio steht. Er ist unser Interviewgast. Hofreiter fährt nicht zurück nach Berlin (wir haben das ausgerechnet, wäre zu knapp, frühestmögliche Ankunft 18:09). Hofreiter fährt nun von Münster in Richtung Süden (vermutlich will er nach Bayern). Auf halber Strecke, in Frankfurt am Main, steigt er aus. Wir schalten ihn live, 18:30, vom Hessischen Rundfunk. Wenn alles gut geht… Ich rechne: Sein Zug kommt um 17:40 an. Taxifahrt zum HR dauert 20 Minuten. Der Pförtner wartet schon. Maske, Verkabeln. Wenn alles pünktlich ist, kein Problem. Auf die Bahn ist ja Verlass…(nicht) Drei Zugausfälle in Hamm. Oh je! Ich bin beunruhigt und rufe den Grünen-Pressesprecher an. Der hatte offenbar die gleiche Sorge. 16:13 sei planmäßiger Umstieg in Köln, referiert er. Notfalls nehme man da ein Auto, alles schon durchdacht. Ich schlage vor: Notfalls gehen Sie zum WDR. Wir schalten Hofreiter dann live aus Köln. Abgemacht!

Marie-Kristin Boese, CvD und Kristin Marie Schwietzer bei der Abnahme des Beitrages für den Bericht aus Berlin. 13.11.2016. Quelle: ARD-Hauptstadtstudio

Marie-Kristin Boese, CvD und Kristin Marie Schwietzer bei der Abnahme des Beitrages für den Bericht aus Berlin. 13.11.2016.

Apropos Köln. Dort würde Anton Hofreiter auf Norbert Röttgen stoßen. Unserem zweiten Schaltgast. Röttgen habe ich zu unserem außenpolitischen Thema eingeladen. Trump und die Folgen. Röttgen hat sofort zugesagt. Nur in der Feinjustierung hatten wir Probleme. Freitagmorgen, unser SMS-Kontakt (Herr Röttgen, bitte sehen Sie es mir nach):

Ich: „Lieber Herr Röttgen. Könnten Sie es einrichten, gegen 18 Uhr am Sonntag dort (gemeint ist das Studio des WDR Köln) zu sein? Wegen Maske etc. Ich gebe Ihnen Ansprechpartner und alles durch. Danke herzlich!“

Röttgen: „18.00? Es fängt doch erst um 18.30 an.“

Ich (zähneknirschend): „Ja stimmt. Aber die Laufwege etc. 18:15 könnte schon knapp werden. (…) 18:25 sollten Sie spätestens im Studio stehen.“ (was ich nicht schreibe ist: Wenn sie nicht rechtzeitig da sind, bekomme ich hier in Berlin nämlich graue Haare)

Keine Antwort von Röttgen.

Ich (verzweifelt): „Ich kläre wie knapp Sie kommen können und melde mich!“

Ich rufe beim WDR an. Wir vereinbaren: Abholung Röttgen an der Pforte, Eskorte ins Studio, Puder notfalls dort auf die Stirn.

Ich simse an Röttgen: „Ankunft 18:15 in Köln ginge in Ordnung. Sie werden abgeholt. Adresse kommt per E-Mail. Danke, Marie-Kristin Boese.“

Röttgen: „Sehr gerne, freue mich zu kommen. Röttgen.“

Geschafft. Eigentlich kann nichts mehr schief gehen. Dachte ich. Wäre da nicht dieses Treffen im Bundeskanzleramt. Die drei Parteichefs der GroKo sprechen über einen möglichen Bundespräsidenten-Kandidaten. Tina Hassel ruft mich an vom Grünen-Parteitag: „Du, Marie-Kristin, ich habe da über drei Szenarien nachgedacht. Folgendes machen wir, wenn vor 18:30 ein Name durchsickert…“

Am Ende unseres Gesprächs steht fest: Wir haben einen Plan und an fast alles gedacht. Könnte allerdings sein, dass es dann doch ganz anders kommt.

Kurzes Update:
Es ist Sonntag, 14.07 Uhr
Der Zug, in dem Tina Hassel sitzt, hat inzwischen 25 Minuten Verspätung. Er wird umgeleitet wegen einer Fliegerbomben-Entschärfung.

14.33 Uhr
Anton Hofreiter von den Grünen hat inzwischen auch Verspätung und verpasst eventuell seinen Anschluss in Köln. Wir prüfen, ob er vom WDR geschaltet werden kann.

18.30 Uhr
Alles gut gegangen. Anton Hofreiter und auch Tina Hassel haben es pünktlich geschafft und die Sendung kann losgehen.

Unser Social Media Team ist fein, aber klein, unsere Korrespondenten täglich im Einsatz. Diskutieren Sie deshalb mit Marie-Kristin Boese @marie_boese direkt auf Twitter, über den Facebook-Kanal des ARD-Hauptstadtstudios oder schicken Sie uns eine Email: Socialmedia@ard-hauptstadtstudio.de

Zuletzt aktualisiert: 17.09.2019, 12:50:22