Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem JU-Vorsitzenden Paul Ziemiak.

Die Ruhe vor den Wahlen

Gepostet am 06.10.2018 um 18:36 Uhr

Der Wahlkampf in Bayern und Hessen läuft nicht so richtig. Auch wegen der Kanzlerin. Die Junge Union fordert auf dem Deutschlandtag Führung von ihrer Parteivorsitzenden ein. Kirsten Girschick über die Stimmung bei der JU.

Nicola Gehringer und Stefan Heck stecken daheim mitten im Wahlkampf. Vom Deutschlandtag erwarten die Bayerin und der Hesse Rückenwind – oder zumindest kein weiteres Störfeuer aus Berlin.

Der Wahlkampf läuft nicht

Als Geschäftsführerin der Jungen Union Bayern bekommt Nicola Gehringer hautnah zu spüren, wie der Wahlkampf in Bayern läuft – gerade tut er das nicht. Und einer der Gründe dafür ist noch immer die Kanzlerin. Sie sagt:

„Gerade in Bayern ist das Jahr 2015 noch sehr präsent, und da scheiden sich an der Kanzlerin die Geister. Egal ob die Menschen ihr Handeln richtig fanden oder nicht, uns als CSU strafen sie dafür ab.“

Von der Rede der Kanzlerin erwartet sie in Kiel, das sie Aufbruchstimmung verbreitet, motiviert für den Wahlkampf-Endspurt.

Das erwartet auch Stefan Heck. Der Hessische JU-Landesvorsitzende beklagt, hessische Themen und die gute Bilanz der Landesregierung gingen im Wahlkampf vollkommen unter – er erwarte von der Koalition endlich Sacharbeit anstatt die ewigen Streitereien der vergangenen Monate.

Der Glaube an Merkel ist erschüttert

Auftritt Angela Merkel – zu den Tönen von „Don‘t Stop Believing“ zieht die Kanzlerin in den Saal ein. Der Glaube an sie als Kanzlerin, als Parteivorsitzende ist durchaus erschüttert. Der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak fordert dann auch von Merkel Führung und Antworten ein:

„Wir wollen von Ihnen wissen – wie geht es weiter mit der Großen Koalition? Wie bleiben wir eine starke Volkspartei? Und wie kommen wir runter von diesen Umfragewerten, die uns nicht schlafen lassen, wenn wir weit unter 30 liegen?“

Doch Merkel redet mehr als Kanzlerin denn als Parteivorsitzende. Spricht vom rasanten Wandel, auf den sich Deutschland einstellen muss. Von den Herausforderungen bei Technik und Digitalisierung, Handel und Globalisierung. Zu den schlechten Umfragewerten habe der Streit in der Koalition beigetragen. Vor den anstehenden Wahlen müssten sich CDU und CSU jetzt an die Bürger wenden „und nicht miteinander Fingerhakeln machen.“

Spahn streichelt die Seele der JU

Für den Wahlkämpfer Stefan Heck hat Merkel mit ihrer Rede eine Chance verpasst, Aufbruchstimmung zu verbreiten. Die hat er eher bei Jens Spahn verspürt, der am Nachmittag zum Abschluss geredet hat.

Spahn hat die Seele der Jungen Union gestreichelt, hat zu Geschlossenheit aufgerufen und ein klares konservatives Bekenntnis zu Recht und Ordnung in allen Lebensbereichen abgelegt.

„Wir sind angetreten, zu gestalten, nicht zu spalten. Es geht darum, das Land zu regieren.“

Damit hat Spahn zwar nicht direkt eine Breitseite gegen die Kanzlerin gefahren. Aber seinen Anspruch auf höhere Ämter durchaus untermauert.

Stefan Heck will über Personalien nicht sprechen. „Das kommt früh genug, nach den Wahlen.“
Für die Bayern- Wahl am kommenden Sonntag wünsche Sie sich eins, betont Nicola Gehringer: „Wir brauchen vor allem Ruhe. Einfach nur Ruhe.“

Zuletzt aktualisiert: 15.12.2018, 22:24:57