Die Rückkehr der Teflon-Kanzlerin

Gepostet am 20.07.2018 um 16:45 Uhr

Vor der Sommerpause hat sich Bundeskanzlerin Merkel den Fragen der Journalisten gestellt. Ob sie politisch noch Großes geplant hat oder nicht – ihr Amt gibt sie so bald nicht auf, kommentiert Daniel Pokraka.

Der erste Eindruck war: Es war wie immer. Aber das stimmt nicht ganz. Es war eher wie früher, in den ersten Kanzlerjahren, bevor Angela Merkel zur Krisenkanzlerin wurde. Merkel als die personifizierte Langeweile. Eine 90-minütige Pressekonferenz, bei der man die Kanzlerin sprechen hörte – und sich am Ende fragte, was sie eigentlich gesagt hat.

Merkels Allgemeinplätze als Antworten auf konkrete Fragen. Ihre Schachtelsätze. Ihre mäandernden Antworten, an deren Ende man nicht mehr wusste, was eigentlich die Frage war. Und ja – auch Merkels unerschütterliche Ruhe. Emotionen sind was für Leute, die kein Land zu regieren haben.

Probleme lösen, aber keine Visionen entwerfen

Im Prinzip hat Merkel diese Sommer-Pressekonferenz so moderiert, wie sie in den für sie besten Kanzlerjahren Politik gemacht hat: Ein Problem taucht auf – es wird gelöst. Nächstes Problem. Ein großes Problem taucht auf – es dauert eben länger. Aber eine Vision von der Zukunft Europas entwerfen? Einen Plan machen für eine westliche Welt ohne die Führungsmacht USA? Sich an die Spitze einer Bewegung gegen Abschottung und Nationalismus stellen? Sowas macht eine Angela Merkel nicht.

Stattdessen: Die Rückkehr der Teflon-Kanzlerin. Für die der Streit mit Seehofer und der CSU zwar unangenehm war, auch bedrohlich. Sicher hat sie die Sache auch persönlich mehr bewegt als sie zugibt. Aber wer den leidigen Streit angezettelt hat, ist eindeutig: die CSU. Und wer jetzt darunter leidet, das zeigen Umfragen: die CSU. Und wessen Existenz bei der Landtagswahl in Bayern auf dem Spiel steht, ist auch klar: die der CSU.

Sie gibt so bald nicht auf

Dagegen wirkt Merkel wie ein Ruhepol, im Vergleich seriös, wie ein Fels in der Brandung. “Komme, was da wolle, ich bin immer noch da” – das ist Merkels erste implizite Botschaft. Und die zweite lautet: “Ich bin nicht Kanzlerin, weil ich Lust dazu habe – sondern weil der Laden ohne mich nicht läuft.” Und deshalb ist es wohl wirklich so, wie es die Kanzlerin bei ihrer Sommer-Pressekonferenz gesagt hat: Dass sie während der Wochen des Streits mit der CSU, so heftig der auch war, nicht an einen Rücktritt gedacht hat. Wenn, dann geht sie aus freien Stücken.

Ob Merkel, wie sie sagt, wirklich bis 2021 Kanzlerin bleibt, kann heute niemand seriös sagen. Aber eine Kanzlerinnendämmerung? Da dämmert gerade gar nichts. Ob Angela Merkel politisch noch Großes geplant hat oder nicht – ihr Amt gibt sie so bald nicht auf.

Zuletzt aktualisiert: 14.11.2018, 21:23:15