Die Medikamente-Preisbindung fällt – mit welchen Folgen?

Gepostet am 19.10.2016 um 17:10 Uhr

Über das Internet können Patienten ihre Medikamente in Zukunft wahrscheinlich günstiger bestellen als in der Apotheke. Doch das dürfte nicht nur positive Folgen haben, erklärt Tamara Anthony.

Die Preisbindung fällt. Was bedeutet das für Verbraucher? Online-Apotheken aus dem Ausland dürfen jetzt günstigere verschreibungspflichtige Medikamente anbieten, als sie über Apotheken in Deutschland zu bekommen sind.

Bisher war das rechtlich unsicher, darum gibt es nur sehr wenige solcher Medikamente online. Das wird sich ändern, Doc Morris & Co. werden das sicherlich bald als Geschäftsmodell ausbauen.

Ein solidarisches System

Für den Verbraucher bedeutet das dann: Statt 5 oder 10 Euro in einer deutschen Apotheke zu zahlen, kann der Verbraucher günstiger übers Internet an das Medikament kommen. Besonders wenn jemand regelmäßig Arzneien braucht, kann da schnell ein kleines Sümmchen gespart werden!

Langfristig geht diese Rechnung allerdings nicht für alle auf. Denn das deutsche Gesundheitssystem ist ein solidarisches System, dass nicht allein auf Wettbewerbsrecht, sondern auch auf dem Sozialrecht beruht.

Alles wird monetarisiert

Der höhere Preis in Deutschland in der Apotheke deckt nämlich nicht einfach nur die Kosten der Apotheke für das Medikament ab. Mit dem Festbetrag von meist 5 oder 10 Euro finanziert der Kunde auch Gemeinwohl-Aufgaben von Apotheken mit, zum Beispiel die Nacht- und Notdienste sowie die Vollversorgung mit Medikamenten oder die Patienten-Beratung.

Wenn also – ganz überspitzt – alle nur noch über ausländische Online-Apotheken ihre Medikamente kaufen, dann wird es letztlich dazu führen, dass alles monetarisiert wird und die Verbraucher künftig für jede einzelne Beratung, jeden Not- und Nachtdienst einen (höheren) Preis zahlen müssen.

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Zuletzt aktualisiert: 19.10.2018, 02:16:23