55 Kilogramm Lebensmittel schmeißt jeder einzelne in Deutschland im Jahr weg. Foto: imago/photothek

Die Lebensmittelverschwendung muss eingedämmt werden

Gepostet am 20.02.2019 um 17:27 Uhr

Die Bundesregierung will bis 2030 Lebensmittelabfälle halbieren – mithilfe freiwilliger Maßnahmen. Ob freiwillig oder nicht, jeder Schritt in diese Richtung hilft, Nahrung wieder wertzuschätzen, kommentiert Horst Kläuser.

Ich gehöre noch zur Generation, die den Teller leer zu essen hatte. Wir aßen, was auf den Tisch kam, und mit dem Essen durften wir nicht spielen. Weil meine Eltern im Zweiten Weltkrieg Hunger litten, wurde sogar theologisch gedroht, dass Essen wegzuwerfen Sünde sei. Das alles mag aus heutiger Sicht pädagogisch katastrophal gewesen sein, aber bis heute wirkt die eingebläute Einsicht: Lebensmittel sind etwas Besonderes, sie haben einen Wert.

55 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf landen jedes Jahr im Müll

Deshalb ist jeder Schritt richtig, der die wahnsinnige Zahl von 11 Millionen Tonnen weggeworfener Lebensmittel verhindern hilft. Das ist nicht weniger als ein Skandal! Auf der untersten Ebene wirft jeder einzelne von uns 82 Millionen Menschen in Deutschland 55 Kilogramm im Jahr weg.

Viele Wege führen zur Vernunft. Zunächst: weniger produzieren. Es muss keineswegs alles immer vorhanden sein. Saisonal kaufen, ist genauso sinnvoll wie regional. Denn auch irrwitzig langer Transport lässt Lebensmittel verderben, führt im Übrigen auch zu quälendem Hin- und Herkutschieren von Schlachttieren. Man kann sinnvoller, effizienter und schonender produzieren und – wie unsere Vorfahren es immer machten – alles vom Tier verwenden, alles vom Gemüse nutzen. Das kann der Gesetzgeber auch vorschreiben und es nicht bei einem Appell belassen. Die Freiwilligkeit und die vielen Dialoge, die Landwirtschaftsministerin Klöckner vorschlägt, in Ehren – manchmal hilft nur Zwang.

Wir alle tragen Verantwortung

Und was können wir selbst tun? Bestehen wir im Restaurant und in der Kantine nicht auf viel, sondern auf gut! Und auf lecker. In kommerziellen Betrieben wird wahnsinnig viel weggeworfen, auch weil die Augen größer sind als der Magen. Und letztlich auch beim Einkauf: schon mal in die Mülltonne geguckt, wo halbe Pizzen neben einwandfreiem Brot liegen, nur weil´s von vorgestern war? Wenn LEBENSmittel – bitte das Wort auf der Zunge zergehen lassen – wenn Lebensmittel nichts mehr kosten, sind sie auch nichts wert.

Hier spätestens kommen Eltern ins Spiel, die Kindergärten und die Schulen. Bewusstsein schaffen für die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums. Das ist kein Verfallsdatum! Eigene Erfahrung. Verschlossene Joghurts waren weit über einen Monat jenseits der Mindesthaltbarkeit frisch und lecker. Ich empfehle Auge und Nase gezielt einzusetzen.

Wir alle tragen also Verantwortung der Verschwendung Einhalt zu gebieten: der Gesetzgeber, der nicht halbherzig sein darf, die Industrie, die besser produzieren und sinnvoller verpacken kann. Und letztlich wir Verbraucher, die endlich den Wert unserer Nahrung wieder schätzen lernen müssen.

Autor: Horst Kläuser

Zuletzt aktualisiert: 23.03.2019, 18:18:44