Die Grünen zwischen Kommunikationspannen und Wahlkampf

Gepostet am 08.01.2019 um 18:06 Uhr

Die Ausgangsposition für die Grünen war schon mal schlechter, für Höhenflüge taugen die Sympathiewerte aber noch lange nicht. Die Twitterpanne des Parteichefs passt deshalb so gar nicht ins Konzept. Ein Kommentar von Andrea Müller.

Es war alles so schön gedacht: Frankfurt an der Oder – ein idealer Ort für’s grüne Brainstorming. Frankfurt an der Oder – ein Symbolort für Brüche in Europa und für die Brüche, die mit der deutschen Einheit verbunden sind.

Grüne Arroganz?

Doch wirklich funktioniert hat der schöne Plan nicht. Die grüne Symbolik ist untergegangen – nicht nur im tristen Grau über der ostdeutschen Grenzstadt. Ausgerechnet der Strahlemann Robert Habeck hat den größten Schatten geworfen auf diese Klausur. Mit Grün wird Thüringen demokratisch – das Video war ein Kommunikationsdesaster. Mit seinem reumütigen „Bye Bye Twitter“ schürte er die mediale Aufmerksamkeit zusätzlich.

Da konnte der Vorstand hinter verschlossenen Türen noch so konzentriert an Strategien fürs Wahljahr arbeiten. Draußen vor der Tür wurden sie alle eingeholt von einem Fehler, der den Grünen im ostdeutschen Wahlkampf noch zu schaffen machen wird: Da ist er wieder, der Besserwessi, die grüne Arroganz. Diesen Verdacht sind die Grünen nie losgeworden und er hat eine Geschichte.

Grüne suchen Gemeinsamkeit von Ost und West

Die Parteispitze hat das erkannt – endlich muss man sagen. Das Papier für die Wahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg macht das deutlich, wie noch nie. Die Grünen suchen eine neue Gemeinsamkeit von Ost und West. Und sie wollen reden, sie wollen eine Einheit auf Augenhöhe, heißt es.

Und in der Analyse schonen sie niemanden: Sie prangern fatale Fehler an während der deutschen Einigung und nehmen die eigene Partei dabei nicht aus. Nach fast 30 Jahren Ignoranz will sie also reden – die Ökopartei, die das ostdeutsche Bündnis 90 seit Jahren nur noch im Namen trägt: reden über Lebensleistungen, über abgehängte Regionen, über Unzufriedene und Nationalisten.

Sie müssen mit Widerstand rechnen

Das wird anstrengend aber auch schmerzhaft: Anstrengend, weil das Personal für eine echte Wahlkampagne knapp ist in Ostdeutschland – auch wenn die Zahl der Mitglieder steigt. Und schmerzhaft, weil die Grünen mit Widerstand rechnen müssen, wenn es um ihre Kernziele geht.

Kohleausstieg in der strukturschwachen Lausitz, Öko-Landwirtschaft in einer Region von Großbetrieben, weg vom Auto, wo Bahn und Bus noch keine Alternative sind. Wer sich ohnehin schon abgehängt fühlt, auf den kann Grün bedrohlich wirken.
Konkrete Vorschläge des Bundesvorstands sollen die Überzeugungsarbeit leichter machen. Sie sind kein großer Wurf, aber immerhin ein Anfang.

Zuletzt aktualisiert: 24.10.2019, 06:44:35