Die Große Koalition steht vor dem Ermüdungsbruch

Gepostet am 15.10.2018 um 17:57 Uhr

Die Großkoalitionäre regieren schon zu lange und haben den Wandel der Gesellschaft nicht rechtzeitig genug erkannt. Wenn sie auch in Hessen verlieren, bricht die Koalition auseinander, kommentiert Uwe Lueb.

Die Luft für die Große Koalition im Bund wird dünn. Eigentlich kein Wunder nach den Sandkastenraufereien der Sorte Maaßen von Union und SPD, dem Gezänk über Grenzschutz und gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Apropos: In der CDU schiebt man die Schuld allein der CSU zu – als hätte die CDU-Kanzlerin nichts mit dem Bayern-Ergebnis zu tun. Die SPD will sich jetzt schneller erneuern – dabei ist das seit den umstrittenen Hartz-Reformen fällig. Und die CSU? Setzt mit den Freien Wählern auf ein ‘Weiter so’.

Eine Idee vom Land entwickeln

Wie man es besser macht, zeigen die Grünen: ein Kernthema haben, sich klar aufstellen und nicht in endlosen Debatten ergehen. Statt angebliche oder tatsächliche Missstände zu bejammern, aufzeigen, was man besser machen kann und will. Kurz gesagt: eine Idee vom Land entwickeln.

Den Volksparteien von früher geht das ab. Sie regieren schon zu lange und haben den Wandel der Gesellschaft nicht rechtzeitig genug erkannt. Jetzt droht der Ermüdungsbruch.

Das linke Lager gibt es so nicht mehr

Noch schlimmer ist es im so genannten politisch linken Lager. Bis 2017 hätte die SPD eine linke Mehrheit im Bundestag anführen können – doch sie hat gezaudert. Nach der Bundestagswahl hat sie eine Volte nach der anderen gemacht.

Die Grünen – ehemals verortet im linken Lager – haben sich als liberale Kraft emanzipiert. Sie sprechen Linke wie Bürgerliche gleichermaßen an. Und Die Linke? Wer es bei dieser Ausgangslage in Bayern nicht in den Landtag schafft, hat wenig zu melden.

Die Wahlbeteiligung ist dort sprunghaft angestiegen. Die Menschen haben eine neue Lust an der Wahl. Wenn das in Hessen in zwei Wochen ähnlich ist, wird die Luft für die Große Koalition womöglich zu dünn.

Zuletzt aktualisiert: 17.11.2018, 07:52:51