Wenn auch Daddy zuhause bleibt: Die Erfolgsstory Elterngeld

Gepostet am 10.01.2018 um 12:09 Uhr

Das Elterngeld ist ein gutes Beispiel dafür, wie Politik gesellschaftliche Wünsche und Veränderungen aufgreifen, gestalten und fördern kann. Aber aus Elterngeld muss Familiengeld werden, kommentiert Evi Seibert.

Wenn Politiker sagen, sie wollen mit ihrer Arbeit unsere Gesellschaft gestalten, dann klingt das oft nach hohlem Blabla. Das Elterngeld ist ein Beweis, dass man tatsächlich mit Gesetzen Einstellungen und Lebensweisen verändern kann. Als vor zwölf Jahren plötzlich auch Männer eine staatlich subventionierte Auszeit für ihr Kind nehmen durften, lachte sich die Republik halbtot.

„Wickelvolontariat für Väter“ – das stand über den Kommentaren zum neuen Elterngeld. Und für die frischgebackenen Daddys gab´s den Tipp, den Babydienst doch möglichst in die Zeit einer Fußball WM zu legen. Seither wurde Stück für Stück am Elterngeld geschraubt, es wurde angepasst und erweitert – zuletzt, als Elterngeld Plus auch für in Teilzeit arbeitende Mütter und Väter eingeführt.

Mittlerweile redet niemand mehr von Wickelvolontariat. Es hat sich herausgestellt, dass Kinder sich besser entwickeln, wenn beide Elternteile sich um sie kümmern. Kinder nehmen diese partnerschaftlichen Arbeitszeiten als positiv und gerecht war, so das Fazit einer Studie. Ähnliches hat sich bei den Großeltern getan. Wenn der eigene Sohn eine Berufspause macht, um sich um den Nachwuchs zu kümmern, entwickeln auch die Älteren ein moderneres Gesellschaftsbild.

Und die jungen Eltern selbst? Die haben das Angebot tatsächlich wahrgenommen. Zwar glauben noch immer viele Männer, sie seien im Job unabkömmlich. Und der Anteil der Väter, die für die Familie im Job kürzer treten, ist auch immer noch sehr viel geringer, als der der Mütter. Aber er hat sich seit der Einführung des gemeinsamen Elterngeldes mehr als verzehnfacht.

Quer durch die Parteien

Männer lernen, dass sie das gesetzliche Angebot auch gegen meckernde Chefs durchsetzen müssen, wenn sie was vom Nachwuchs haben wollen. Und je mehr es tun, desto normaler wird es. Väter, die mal zu Hause geblieben sind, kümmern sich auch nach dieser Zeit mehr um Haushalt und Kinder. Beim Elterngeld Plus teilen sich übrigens Vater und Mutter die Kinderbetreuung am gleichmäßigsten auf und unterstützen sich am meisten gegenseitig.

Im Prinzip also ein gutes Beispiel dafür, wie Politik gesellschaftliche Wünsche und Veränderungen aufgreifen, gestalten und fördern kann. Übrigens quer durch die Parteien. Die damalige CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen war am Elterngeld genauso beteiligt wie später Manuela Schwesig von der SPD.

Da diese beiden Parteien zurzeit wieder über künftige Familienpolitik verhandeln: Bloß nicht stehen bleiben. Jetzt geht es darum, die in Teilzeit arbeitenden Eltern wieder ohne Nachteile in Vollzeit zu bringen. Und die Betreuungsmöglichkeiten weiter auszubauen. Zurzeit stehen viele junge Eltern wieder Schlange für einen Kita-Platz. Und berufstätige Eltern von Teenagern haben nun verstärkt das Problem mit der riesigen Generation von pflegebedürftigen Großeltern, die Zeit brauchen. Aus Elterngeld muss Familiengeld werden.

Zuletzt aktualisiert: 16.08.2018, 02:11:21