Die CSU in Passau: Der Stammtisch lebt

Gepostet am 14.02.2018 um 18:57 Uhr

Nach einem verstaubten Aschermittwoch 2017 wollte die CSU in diesem Jahr wieder zeigen, wer die „Lufthoheit über die Stammtische“ hat. Für Markus Söder eine gute Startrampe, hat Kirsten Girschik beobachtet.

Der politische Aschermittwoch ist für die CSU der größte Stammtisch der Welt. Dass sie die „Lufthoheit über den Stammtischen“ anstrebt, das ist für einen CSU-Generalsekretär kein Vorwurf, sondern Auszeichnung und Ansporn. Andreas Scheuer schießt entsprechend in Richtung SPD: „Lieber die Lufthoheit an den Stammtischen, als Befehlsempfänger von linken Spinnern wie Ralf Stegner zu sein.“

Passend dazu findet der Stammtisch in der Dreiländerhalle in Passau diesmal nicht nur in der Halle, sondern gleich auf der Bühne statt. Hinter die Redner haben die Veranstalter Biertische mit weiß-blauen Tischdecken platziert, das übergroße CSU-Logo im Hintergrund wirkt wie auf ein Holzbrett geklebt.

Die Botschaft dahinter: Hier ist Heimat – und Heimat ist CSU. Das ist der Anspruch der Partei, den sie zum Auftakt des Landtags-Wahljahres 2018 in Passau deutlich machen will.

Bühne frei für Söder

2017 wirkte der Aschermittwoch der CSU verstaubt und altmodisch gegen die Begeisterung, die Martin Schulz in Vilshofen auslöste. Die mühsam inszenierte Versöhnung mit der CDU war gerade überstanden. Und Horst Seehofer war – wie immer – gesundheitlich angeschlagen. Der Aschermittwoch war nie sein Format, in kleineren Veranstaltungen, im persönlichen Gespräch, hat sich Seehofer schon immer wohler gefühlt.

Diesmal ist Horst Seehofer mit seiner Erkältung daheim geblieben. Die Bühne war frei für Markus Söder, der ihm als Ministerpräsident nachfolgen soll. Söder kann nicht nur Bierzelt, Söder kann auch Aschermittwoch – das hat er von seinem Mentor Edmund Stoiber gelernt. Die eigentlich geplante Rolle Seehofers, die Bundespolitik zu beleuchten, fällt nun Generalsekretär Scheuer zu. Der macht das mit Witzen zur politischen Konkurrenz, die in der Halle gut ankommen.

Optimal gelaufen

Die beiden GroKo-Partner machen es der CSU heute leicht: Gegen das Personalchaos bei der SPD wirkt die CSU inzwischen geschlossen und geeint. Die sich hinziehende Nachfolgedebatte scheint längst vergessen. Die Abwesenheit Horst Seehofers schadet dabei sicherlich nicht. Offene Diskussionen um Ministerämter oder Forderungen nach einer Erneuerung der Partei schwelen nicht wie bei der CDU im Hintergrund.

Der Aschermittwoch dieses Jahr: Eine gute Startrampe für Markus Söder. Hier kann er seine rhetorischen Stärken ausspielen und verklausulierte Kritik an der Bundeskanzlerin loswerden. Gleichzeitig präsentiert er sich staatstragend als zukünftiger Ministerpräsident. Aus CSU-Sicht könnte man sagen: der Aschermittwoch ist optimal gelaufen.

Zuletzt aktualisiert: 30.11.2020, 21:06:11