Die Bewerber um den CDU-Parteivorsitz Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Foto: imago/Agentur 54 Grad

Die CDU wird zur Bewegungspartei

Gepostet am 16.11.2018 um 16:11 Uhr

Das Schaulaufen um den CDU-Vorsitz hat begonnen. Egal ob Merz, AKK oder Spahn in Hamburg siegen wird, die CDU gewinnt in jedem Fall. Das zeigt sich vielleicht auch bald in den Umfragewerten, kommentiert Matthias Reiche.

Man muss nicht zu den Sympathisanten der Christdemokraten gehören, um beeindruckt zu sein. Da laufen keine Showveranstaltungen ab, sondern wir erleben einen nie dagewesenen politischen Wettbewerb um die künftige Richtung der CDU. Alle drei Kandidaten versprechen dabei die Partei in die Entscheidungen wieder stärker einzubinden und Debatten offener zu führen.

Eine fulminante Verwandlungsnummer hat da begonnen. Die etwas fett gewordene CDU wird zur Bewegungspartei.

Public-Viewing für Merz, AKK und Spahn

Und das kommt offensichtlich bei der Basis an. Viele Ortsvereine planen die kommenden Regionalkonferenzen als eine Art Public-Viewing zu organisieren, und wegen des hohen Zuspruchs musste die nächste Veranstaltung kommenden Dienstag von Mainz nach Idar-Oberstein in eine größere Halle verlegt werden. Mit der Wahl des oder der neuen CDU-Vorsitzenden hat in jedem Fall auch die innerparteiliche Demokratie gewonnen.

Ansonsten ist das Rennen offen, und die verbleibenden drei Wochen sind noch genug Zeit um entscheidende Fehler zu machen. Jeder Satz in einem Interview kann da wichtig sein, was wohl vor allem den Beratern von Friedrich Merz einige Sorgen bereiten könnte. In einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends unter CDU-Anhängern sprachen sich 31 Prozent für den Politik-Rückkehrer aus, deutlich mehr als für Gesundheitsminister Jens Spahn mit 12 Prozent. Aber 46 Prozent würden für die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer stimmen.

Gut möglich, dass die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin, auch für die Parteitags – Delegierten, am ehesten die richtige Balance von Kontinuität und Wandel verspricht. Es deutet einiges darauf hin, dass die CDU mehrheitlich weder mit der Ära Angela Merkel völlig brechen, noch zurück in eine andere Zeit will. Aber auch der wirtschaftsliberale Friedrich März ist mit seinen Ideen ein interessanter Kandidat, ebenso wie der erst 38-jährige Jens Spahn mit seinem klar konservativen, sicherheitsorientierten Konzept. Und so erleben wir einen offenen, politischen Wettbewerb, der mittelfristig auch die politische Landschaft weiter verändern könnte.

Die Zustimmungswerte der CDU könnten steigen

Auch wenn die CDU im aktuellen Deutschlandtrend noch weiter bei 26 Prozent dümpelt, könnte sich das mit dem innerparteilichen Erneuerungsprozess bald ändern. Die Grünen haben es vorgemacht und beispielsweise ihr Spitzenpersonal bereits zweimal in einer Urwahl von der Basis bestimmen lassen. Derzeit liegen sie bei 23 Prozent, weit vor der SPD. Die einstige Mehr-Demokratie-wagen-Partei kann nicht über ihren Schatten springen. Ein kleiner Kreis kungelt die Parteilinie im Hinterzimmer aus und beißt jede Konkurrenz weg. So wurde auch Andrea Nahles im April Parteichefin.

Jetzt liegen ihre Zustimmungswerte im aktuellen Deutschlandtrend beinah so tief wie die von Horst Seehofer. Mit dessen Arbeit sind nur noch 20 Prozent der Befragten zufrieden. Das ist der niedrigste Wert, der für Seehofer im Deutschlandtrend je gemessen wurde. Selbst drei von vier Unionsanhängern meinen, er solle als Innenminister abdanken. Aber vielleicht kommt ja doch noch die Wende für ihn, nachdem er nun versprach, am 19. Januar als CSU-Vorsitzender zurückzutreten.

Bei Angela Merkel hat es offensichtlich funktioniert. Nach ihrer Ankündigung, sich vom Parteivorsitz zurückzuziehen, legten ihre Zustimmungswerte deutlich zu, und will auch eine Mehrheit der Deutschen sie als Bundeskanzlerin bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 behalten.

Zuletzt aktualisiert: 21.11.2019, 02:07:19