Die beste Zeit für einen Generationenwechsel

Gepostet am 08.01.2018 um 18:15 Uhr

Cem Özdemir und Simone Peter kandidieren nicht mehr für den Parteivorsitz der Grünen. Für die Partei ist es die richtige Zeit für einen Generationenwechsel. Gutes Personal haben die Grünen genug, kommentiert Bettina Nutz.

„Zukunft wird aus Mut gemacht“ – der Wahlkampfslogan der Grünen erweist sich gerade als Last und als Chance zugleich. Die beiden Noch-Chefs der Partei, Simone Peter und Cem Özdemir mögen sich diesen Satz erst einmal selbst zusprechen. Beide geben ihre Posten nämlich widerwillig auf.

Ihre politische Zukunft ist ungewiss. Dabei dürfte Peters Rückzug die meisten Grünen wohl erleichtern und sie selbst vor einem herben Gesichtsverlust auf dem Parteitag Ende Januar bewahrt haben. Dass Cem Özdemir erst einmal einfacher Abgeordneter im Parlament sein wird, liegt sowohl an der gescheiterten Jamaika-Option, als auch daran, dass die Partei mit ihren strengen Proporz-Regeln nun keinen Spitzenposten für den bundesweit prominentesten Grünen bereithält.

Wann, wenn nicht jetzt?

Mehr denn je wird es nun um einen grünen Aufbruch gehen. Um die Frage: Wer soll es in Zukunft mit welcher Strategie schaffen, die Partei durch das tiefe Tal zu führen, durch die Durststrecke als kleinste Oppositionsstimme unter vieren? Falls es zur Neuauflage der Großen Koalition kommt.

Da muss Zukunft mit viel Mut gemacht werden. Denn wann, wenn nicht jetzt soll der lang versprochene Generationswechsel kommen? Wann neue Gesichter und wann die Entfesselung von allzu starren Quoten, von sturem Proporz?

Geeint wie nie

Die Voraussetzungen stimmen: Die Partei ist seit den Jamaika-Sondierungen geeint wie nie in ihrer Geschichte. In jüngsten Umfragen hat sie ihre lang ersehnte Zweistelligkeit erreicht. Und die Bewerber für die Parteispitze sind vielversprechend. Schon allein, weil sie die Grünen vielleicht nicht neu, aber anders erfinden wollen.

So will Robert Habeck eine Partei der „progressiven Mitte“ wie er sagt – und kann damit auf seine Regierungserfahrung als Umweltminister in Schleswig-Holstein verweisen. Wo Habeck ständig die Interessen aller im Blick haben muss – ob Naturschutz, Tourismus oder Landwirtschaft.

Neue Zeiten

Annalena Baerbock hat sich mit Mitte dreißig längst als Klimaexpertin ihrer Partei einen Namen gemacht, verkörpert das Kernthema der Grünen. Und: Die zweifache Mutter zeigt, dass eine politische Karriere mit Familie mehr als nur „machbar“ ist.

Dass neben den beiden Realos, die auf diese Qualifikation keinen Wert mehr legen, nun die Parteilinke mit Anja Piel aus Niedersachsen auch den Hut in den Ring geworfen hat, könnte eher einen als spalten. Denn auch Piel will, dass Schluss ist mit grüner Nabelschau. Dass es aber gilt, an grünen Werten festzuhalten, auch an Fragen von sozialer Gerechtigkeit.

Es brechen neue Zeiten an, gab heute selbst der scheidende und auch ziemlich zerknirschte Noch-Vorsitzende Cem Özdemir zu. Neue Zeiten, andere Grüne, die jetzt deutlich zeigen sollten, wieviel mehr sie im programmatischen Köcher haben als Merkel, Seehofer, Schulz oder Lindner. Mehr Auswahl an Spitzen-Personal gibt es bei den Grünen schon jetzt.

Zuletzt aktualisiert: 19.09.2018, 05:07:48