Bundesaußenminister Heiko Maas, SPD, besucht den Sirmilik Nationalpark in der kanadischen Arktis. Foto: imago/photothek

Die Arktis: weit weg, aber strategisch wichtig

Gepostet am 21.08.2019 um 14:12 Uhr

Die Bundeskabinett hat Leitlinien zum Schutz der Arktis beschlossen. Es geht darum, wie Deutschland mit den Folgen des Klimawandels umgeht. Es besteht die Sorge, dass das schmelzende Eis zu Konflikten zwischen Staaten führt.

Aus deutscher Sicht ist die Arktis weit weg. Deutschland grenzt nicht an die Region rund um den Nordpol. Und doch hat die Bundesregierung ein Interesse an der Arktis. Die Erderwärmung geht dort schneller voran als im Rest der Welt, das wirkt sich global aus. Und dafür will die Bundesregierung Verantwortung übernehmen.

Umwelt, Wirtschaft, Sicherheit

Zum einen geht es um die ökologischen Auswirkungen. Außenminister Heiko Maas verweist auf die zunehmende Zahl von Wetterextremen und den steigenden Meeresspiegel. Zum anderen gibt es wirtschaftliche und geostrategische Folgen. So legt das schmelzende Eis zum Beispiel neue Schiffsrouten frei. Auch sind Ressourcen im Boden wie Gas und Öl dadurch leichter erreichbar. Das sorgt schon jetzt für Nutzungs-Konflikte, unter anderem Russland hat bereits zusätzliche Gebietsansprüche angemeldet. Dazu kommt die Sorge, dass es in der bisher konfliktarmen Region ein Wettrüsten geben könnte.

Zentrale Bedeutung: Klimaschutz

Erstmals gibt es deswegen jetzt deutsche Leitlinien für die Arktis. Sie sind überschrieben mit den Schlagsätzen: „Verantwortung übernehmen, Vertrauen schaffen, Zukunft gestalten“. Der Bundesregierung geht es um eine nachhaltige und umweltschonende Nutzung der Region, auch um die Interessen der indigenen Völker in der Arktis zu schützen. Konkret fordert die Bundesregierung neue Schutzgebiete. Auch plädiert sie für das Verursacherprinzip. Wer also Schäden verursacht, soll auch dafür aufkommen, dass sie wieder beseitigt werden. Den Abbau von Rohstoffen lehnt die Regierung nicht grundsätzlich ab. Sie fordert aber eine „ökologisch verträgliche Erschließung“.

Verbindliche Regelungen für alle

Außerdem dringt Deutschland darauf, dass sich alle an internationale Regeln halten: Etwa wenn es um Schifffahrtsrechte geht und den sicheren und umweltschonenden Transit von Frachtern. Als Ergänzung zum Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ) fordert die Bundesregierung ein Abkommen. Es soll eine nachhaltige Nutzung des Arktischen Ozeans außerhalb der Hoheitsgebiete der fünf Anrainerstaaten (Russland, USA, Kanada, Dänemark und Norwegen) festlegen.

Mehr Engagement im Arktischen Rat

Die neuen Leitlinien dürften sich auch darauf auswirken, wie Deutschland seinen Beobachterstatus im Arktischen Rat ausfüllt. Also in dem Gremium, in dem sich die fünf Anrainerstaaten gemeinsam mit Finnland, Island und Schweden organisiert haben. Die Bundesregierung will mehr Experten in die Arbeitsgruppen des Gremiums entsenden und kündigt an, auch weiter Forschungsvorhaben mitzufinanzieren. Es gehe um eine „verantwortungsvolle Forschung“ in einem „einzigartigen Raum“.

Forschungs-Projekt unter deutscher Leitung

Ein aktuelles Beispiel für solche Forschungsprojekte: die „Mosaic“-Expedition in die Arktis. Unter der Leitung des deutschen Klimaforschers Markus Rex (Alfred-Wegener-Institut) wird das Forschungsschiff „Polarstern“ die kommenden Wintermonate durch das Eis driften. Hunderte internationale Forscher werden Daten über den arktischen Winter sammeln und auswerten, spätestens zwei Jahre später sollen sie allen zugänglich sein und zum Verständnis des arktischen Klimasystems beitragen. Laut Rex hat der Arktische Rat das deutsche Engagement „sehr wohlwollend und positiv aufgenommen.“ Er nehme bei den Arktis-Staaten überhaupt eine große Bereitschaft wahr, die Beobachter-Staaten „in die Diskussion ihres Vorgartens“ einzubinden. Das sei „ein sehr ermutigendes Zeichen“.

Zuletzt aktualisiert: 20.09.2019, 01:23:57