Immer noch erleben viele Schwule, Lesben und Transsexuelle Diskriminierung im Job. Quelle: imago / Ute Grabowsky

Die Angst vor dem Outing im Job

Gepostet am 19.07.2017 um 17:33 Uhr

Schwule und Lesben gehen heute offener mit ihrer sexuellen Orientierung um. Gleichzeitig erleben viele noch Diskriminierung am Arbeitsplatz. Transsexuelle leiden besonders darunter, zeigt eine neue Studie.

„Ich bin schwul. Und das ist gut so,“ erklärte Klaus Wowereit bei seiner Nominierung zum SPD-Bürgermeisterkandidaten im Jahr 2001. Heute, 16 Jahre später, traut sich nur knapp jeder/jede Dritte, offen im Büro über die sexuelle Identität zu sprechen. Das ergab die Studie „Out im Office“ im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Wachsendes Selbstbewusstsein

Immerhin: Heute sind es doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Ausdruck eines wachsenden Selbstbewusstseins, aber auch eines liberaleren Klimas in Deutschland. Dennoch ist nicht alles gut:

„Die Menschen in Deutschland sind durchaus offen, wenn es um gesellschaftliche Fragen geht, wie etwa die Ehe für alle. Wenn aber ein schwuler Erzieher in der Kita des eigenen Kindes arbeitet, gibt es immer noch Probleme,“

sagt Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle in Berlin.

Arbeitgeber haben große Verantwortung

Auch müssen Lesben und Schwule noch immer mit Beleidigungen und Belästigungen im Büro rechnen. Hier haben Arbeitgeber große Verantwortung, meint Dominic Frohn vom Institut für Diversity und Antidiskriminierungsforschung:

„Wenn Arbeitgeber eine offene Unternehmenskultur fördern, wirkt sich das unmittelbar auf die Beschäftigten aus. Insgesamt erhöht es Toleranz, Arbeitszufriedenheit und Verbundenheit mit dem Unternehmen.“

Viele Transsexuelle schweigen aus Angst

Besonders schwer haben es transgeschlechtliche Beschäftigte im Büro. Die meisten schweigen aus Angst. Jana Maria Knoop engagiert sich für den Verein TransInterQueer e.V. in Berlin und kennt das Problem aus dieser Arbeit. Sie sagt:

„Es gibt so viele Beispiele, wo Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn sie sich als trans* outen.“

Häufiger als Lesben und Schwule erlebten transgeschlechtliche Beschäftigte Kündigungen, Versetzungen oder würden gar nicht erst eingestellt.

Mit der Ehe für alle hat der Staat gerade ein wichtiges Signal gesetzt für mehr Toleranz , meint die Antidiskriminierungsbeauftragte Lüders. Doch diese Offenheit müsse jetzt auch in Betrieb und Büro einziehen.

Zuletzt aktualisiert: 18.12.2017, 19:32:36