Der Mann, der sich mit Blockaden auskennt

Gepostet am 28.11.2017 um 12:55 Uhr

Während die Kanzlerin der SPD faire Koalitionsgespräche anbietet, fällt der Bundeslandwirtschaftsminister den Genossen in den Rücken. Wer eine neue Große Koalition torpedieren will, der muss es genauso machen wie Christian Schmidt, findet Stephan Ueberbach.

Das muss man Christian Schmidt lassen. Der Mann hat ein Händchen für das richtige Timing. In Berlin bietet die Kanzlerin der SPD faire Koalitionsgespräche an, in Brüssel fällt der Bundeslandwirtschaftsminister den Genossen gleichzeitig in den Rücken. Die sind empört. Und womit? Mit Recht. Schmidt sagt Ja zum umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, obwohl der Noch- (und vielleicht Bald-wieder-) Regierungspartner SPD strikt dagegen ist. Dazu gehört schon was. In der aktuellen Lage erst recht.

Merkel steht nicht gut da

Schließlich ist die Union nach dem Jamaika-Aus auf die SPD angewiesen, wenn Angela Merkel Kanzlerin bleiben soll.
Apropos Merkel: Die Kanzlerin hat entweder von Schmidts dreistem Manöver gewusst und vielleicht sogar grünes Licht gegeben – oder sie ist ahnungslos und von ihrem Minister genauso vorgeführt worden wie die SPD.

Aber egal, wie es nun wirklich war – Angela Merkel steht in dieser Sache nicht gut da. Und was sagt der Mann, der dafür verantwortlich ist? Zitat: „So ist er halt, der Schmidt.“ Klingt irgendwie nach trotzigem Stolz.

Schmidt kennt sich mit Blockaden aus

Dabei ist der Landwirtschaftsminister in den letzten vier Jahren nie großartig aufgefallen. Höchstens mit Ankündigungen, aus denen nichts wurde. Wie zum Beispiel die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums. Erfolgreicher war Schmidt beim Aufweichen von Vorschriften für Bauern. Einschränkungen bei der Massentierhaltung sind genauso an seinem Widerstand gescheitert wie strengere Gülle-Grenzwerte.

Der Mann kennt sich also mit Blockaden aus. Und hat mit seiner Glyphosat-Entscheidung jetzt auch das Klima zwischen Union und SPD nachhaltig vergiftet. Vielleicht steckt ja eine Strategie dahinter. Wer eine neue Große Koalition torpedieren will, der muss es jedenfalls genauso machen wie Christian Schmidt.

Zuletzt aktualisiert: 12.12.2017, 17:06:14