Seehofer thematisiert als Innenminister als erstes den Islam und erntet Kritik. Foto: Imago/ Christian Thiel

Der Heimat-Hardliner Seehofer

Gepostet am 16.03.2018 um 12:48 Uhr

Als neuer Innenminister thematisiert Seehofer als erstes den Islam und impliziert mit seiner Äußerung: Das Christentum sei durch Migranten in Gefahr. Eine Haltung, die Christentum und Grundgesetz widerstrebt, kommentiert Janina Lückhoff.

Bayern hat nun also zwei Ministerpräsidenten: Einen in München – und einen in Berlin. Dass Horst Seehofer – eigentlich neuer BUNDES-Innenminister – sich am ersten Tag seiner Amtszeit als HEIMATminister äußert und eine uralte Debatte wieder auffrischt, lässt ahnen, wohin die Reise geht. Er wird auch in Berlin vor allem erstmal die bayerische Landtagswahl im Blick haben – und das Ziel, in Bayern AfD-Stimmen für seine Partei zu gewinnen.

Nicht die drängende Wohnungsnot ist es, die er in dem Zeitungsinterview thematisiert, nicht die drohende Spaltung der Gesellschaft. Auch nicht die Angst vieler Menschen vor weiteren Anschlägen. Nicht die dringend nötige bessere Zusammenarbeit der Behörden im Kampf gegen den Terrorismus. Nicht einmal die Mahnung, die sein Vorgänger de Maizière wie ein Mantra wiederholte: dass Deutschland im Visier des islamistischen Terrorismus sei.

Es ist die Flüchtlingspolitik, die Ankündigung, effektiver abzuschieben und eben die Aussage, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Als Hardliner präsentiert sich Seehofer zum Amtsantritt. Dass Deutschland durch das Christentum geprägt sei, dass kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern und Weihnachten dazu gehörten, das hat bislang doch niemand bestritten. Dass Seehofer aber meint betonen zu müssen, dass wir nicht – Zitat – „aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben“ – damit impliziert er, dass das Christentum wegen der Migranten in Gefahr sei.

Als würden die hier lebenden Muslime uns auch nur eines unserer christlichen Feste streitig machen wollen. Nicht diese Muslime oder irgendeine andere Religion bedrohen das christliche Selbstverständnis unseres Landes. Es sind die Taten und Worte von Politikern, die es mitunter schwer machen, sich die Werte des Christentums zu vergegenwärtigen. Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Teilen spielen in der christlichen Kirche eine herausragende Rolle. In der Politik aber eben offenbar nur, wenn sich Andersgläubige unserer Religion anpassen – und unterordnen.

Das hat mit Integration, die anstrengend ist, Arbeit macht und Geld kostet, gar nichts zu tun. Das ist Assimilation. Und diese Haltung gegenüber Menschen anderen Glaubens steht nicht nur im Gegensatz zum Christentum der heutigen Zeit, sondern auch zum Grundgesetz, in dem die Religionsfreiheit verankert ist.

Zuletzt aktualisiert: 21.07.2019, 00:10:44