Abschreckung als Absicherung

Gepostet am 14.01.2020 um 18:11 Uhr

Das großangelegte NATO-Manöver „Defender 2020“ ist richtig und notwendig, meint Birgit Schmeitzner. Auch, weil es das klare Signal an Russland sendet: Im Fall der Fälle wäre die NATO bereit.

Das großangelegte NATO-Manöver „Defender 2020“ ist richtig und notwendig. Auch, weil es das klare Signal an Russland sendet: Im Fall der Fälle wäre die NATO bereit.

Ein Kommentar von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

In einer idealen Welt regeln Menschen ihre Konflikte ohne Gewalt. In einer idealen Welt sind Soldaten und Armeen überflüssig. Unsere Welt ist aber nicht ideal. Das belegen die vielen Kriege weltweit – und einer davon ist ganz schön nah, im Osten der Ukraine. Die Lehre daras? Lieber vorsorgen, gerüstet sein – am Besten in einem Bündnis. Das bedeutet nicht, den Krieg zu suchen, ganz im Gegenteil. Es gilt der alte Grundsatz: „Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor.“

Abschreckung als Absicherung. Manöver wie „Defender 2020“ gehören dazu. Zum einen, um in Übung zu bleiben. Um zu testen, wie schnell in diesem Fall die US-Army ihre Kräfte über weite Strecken verlegen kann. Ob es die Brücken und Straßen in Deutschland aushalten, wenn ein Tieflader mit einem Panzer darüberfährt? Ob die Verständigung mit Soldaten aus anderen Nationen klappt? Das wird alles auch ein Prüfstein für die sparkursgeschädigte Bundeswehr sein.

Solidarität mit den baltischen Staaten

Zum anderen ist die Übung ein Signal nach außen: „Im Fall der Fälle wären wir bereit.“ Der Adressat ist unschwer zu erkennen: Russland. Als Russland die ukrainische Krim annektierte, hat das viele Länder in einen Alarmzustand versetzt. Und dem westlichen Militärbündnis NATO ist klar: Appeasement, also Beschwichtigungspolitik, bringt nichts. Sie gilt im Kreml als Zeichen der Schwäche. Deshalb wurde auch die sogenannte Speerspitze der NATO im Baltikum aufgebaut. Dabei ist jedem Militär klar: Im Ernstfall hätten die Soldaten dort den heranrückenden Truppen wenig entgegenzusetzen.

Aber: Ein Angriff auf sie wäre ein Angriff auf die gesamte NATO. Das erhöht das Risiko für Angreifer und zeigt Solidarität mit den baltischen Staaten, die mit Angst auf den Kreml in Moskau blicken. Damit diese zugesagte Solidarität keine leere Hülle bleibt, muss geübt werden. Wer das in Friedenszeiten nicht tut, riskiert, dass es im Ernstfall nicht klappt. Oder muss die Truppen vor Ort dauerhaft verstärken, und zwar massiv.

Kommentar: Manöver Defender 2020 macht Sinn
Birgit Schmeitzner, ARD Berlin
16:17:00 Uhr, 14.01.2020

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. Januar 2020 um 17:06 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 10.08.2020, 01:02:42