Das strategische Desaster der SPD

Gepostet am 02.02.2018 um 14:43 Uhr

Die falschen Themen, das falsche Spitzenpersonal – die Sozialdemokratie muss sich endlich neu aufstellen und sich für die Themen einsetzen, die die Menschen wirklich bewegen. Ein Kommentar von Evelyn Seibert.

Das größte Problem der SPD sind nicht die Umfragen. Das sieht man an Sigmar Gabriel, der plötzlich der beliebteste Politiker sein soll. Es ist wirklich nicht lange her, da konnte ihn in denselben Umfragen keiner leiden. Umgekehrt gilt das für Martin Schulz. Der ist in derselben Zeit den Weg von ganz oben nach ganz unten gegangen. Umfragen sind kurzlebig. Augen zu und durch.

Für die richtigen Themen kämpfen

Viel wichtiger ist es für die SPD, sich zu überlegen, wie sie die vielen Fehler, die sie ständig produziert, in Zukunft vermeiden will.

Warum um alles in der Welt hat sie sich beim Thema Flüchtlingsnachzug so verkämpft und gleich öffentlichkeitswirksam die erste Niederlage eingefahren? Das ist doch nicht das wichtigste Thema, das die Menschen hier umtreibt – auch wenn die CSU das glauben machen will. Ob da jetzt ein paar tausend mehr oder weniger kommen ist doch nicht der Punkt, an dem sich die Zukunft Deutschlands entscheidet. Natürlich ist es gut, sich für humanitäre Grundsätze stark zu machen. Aber für die Mehrheit der Menschen, auch der SPD-Anhänger, sind andere Themen in  ihren Alltag, und vor allem für ihre Zukunft, viel  wichtiger.

Die Führungsfrage klären

Dazu kommt  das Unglück mit dem Vorsitzenden. Nur weil potentielle Nachfolger und vor allem Nachfolgerinnen lieber erst später ran möchten: Aus persönlichen taktischen Gründen Martin Schulz weiter ins Verderben laufen zu lassen,  ist nahezu parteischädlich. Nach der Niederlage am Wahlabend hätten sie sich neu aufstellen müssen. Stattdessen haben sie jetzt das nächste Glaubwürdigkeitsproblem mit Schulz am Hals, wenn er sich dann endlich outet, dass er Minister werden will. Warum sagt er das denn nicht gleich?

Die ganze Arie von „Groko nicht mit uns“, über „wir verhandeln ergebnisoffen“ bis hin zu „ich werde nicht Minister unter Merkel“ ist eine einziges strategisches Desaster. Und dafür gab es jetzt die Quittung.

Zuletzt aktualisiert: 29.01.2020, 05:25:30