Zukünftig teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder die Krankenkassenbeiträge. Foto: imago / photothek

Das Gesundheitssystem braucht große Reformen

Gepostet am 06.06.2018 um 18:02 Uhr

Es ist ein gutes Signal, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich die Krankenkassenbeiträge nun wieder paritätisch teilen. Nur langfristig bringt das dem Gesundheitssystem nichts, kommentiert Martin Mair.

Endlich! Die Arbeitgeber zahlen künftig wieder die Hälfte des Krankenkassenbeitrags. Damit werden die Kosten in der Medizin wieder gerechter verteilt. Klar – vielen dürfte das gar nicht so richtig auffallen, denn der Durchschnitts-Deutsche spart im Monat etwa 18 Euro. Trotzdem ist das Ganze weit mehr als Symbol-Politik, denn in der Summe sparen die Versicherten gigantische sieben Milliarden Euro im Jahr.

Nun ist uns unser Gesundheitssystem ebenso lieb wie teuer. Krankenhäuser, Ärzte, Pflegerinnen, Medikamente und Heilmittel verschlingen nämlich mehr als eine Milliarde Euro. Eine Milliarde Euro am Tag, wohlgemerkt. Es ist deshalb wichtig, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer diese Kosten wieder teilen. Das hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun. Die Rückkehr zur Parität ist dafür ein gutes Signal – gerade in einer Zeit, in der bei vielen das Gefühl bröckelt, dass es in Deutschland halbwegs fair und gerecht zugeht.

Wirklich große Reformen

Nur: Langfristig weiter bringt uns die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung keinen Millimeter. Denn um künftig bezahlbar und gut bleiben zu können, bräuchte das deutsche Gesundheitssystem wirklich große Reformen.

Und die würden vielen wirklich weh tun: Den überbezahlten Ärzten etwa, deren Gehälter und Honorare nicht so hoch bleiben können. Der Masse an Krankenhäusern, die wir uns mit viel zu vielen Betten leisten. Den Apothekern, die sich mit aller Macht etwa gegen den Versandhandel sperren und so die Medikamentenpreise hoch halten.

Verwöhnte Patienten

Wer jetzt denkt, da knicke ein Gesundheitsminister vor mächtigen Lobbygruppen ein, der macht es sich übrigens zu einfach. Denn auch wir als verwöhnte Patienten müssen umdenken. Die Anspruchshaltung ist nämlich gigantisch: Immer sofort vom Spezialisten behandelt werden zu wollen, der auch noch gefälligst um die Ecke seine Praxis zu haben hat – das wird in einer Gesellschaft, die immer Älter wird, völlig unbezahlbar.

Ohnehin kennen die Kosten im Gesundheitswesen nur einen einzigen Weg: den nach oben. Wir leisten uns in Deutschland eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, das für eine große Masse an Versicherten so viel an Leistungen bietet wie nirgendwo sonst. Gut so. Doch wir erkaufen uns das, in dem wir immer mehr Geld in das System pumpen. Heute fast doppelt so viel wie vor zwanzig Jahren. Man muss kein Prophet sein um zu erkennen: Das geht auf Dauer nicht gut.

Wirklich zukunftsfest aber kann das deutsche Gesundheitssystem nur bleiben, wenn nicht nur die Ausgaben solidarisch finanziert werden. Sondern, wenn sich alle Beteiligten endlich solidarisch verhalten.

Zuletzt aktualisiert: 10.12.2018, 10:18:16