Das Ende des A380 ist nicht das Ende von Airbus

Gepostet am 14.02.2019 um 16:07 Uhr

Der Großraumjet A380 ist keineswegs nur eine Geschichte geschäftlichen Versagens, auch wenn die Produktion jetzt eingestellt wird. Sein Erbe wird neuen Airbus-Modellen zugutekommen, kommentiert Horst Kläuser.

Die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel. Zugegeben ein schräges Bild für die Luftfahrtindustrie. Aber es ist gerade dieser Spagat zwischen irdischer Realität und Schwärmen, der das Produktions-Aus für das größte Passagierflugzeug der Welt erklärt. Mit dem A380 stieß Airbus nach milliardenteuren Entwicklungskosten und technischen Rückschlägen in bislang unerprobte Dimensionen vor.

Je nach Bestuhlung hätten 900 Menschen von A nach B fliegen können. Doch die Bestellorgien, vor allem der Airlines in den Golf-Staaten und Asien, waren nicht nachhaltig. Technische Probleme mit Rissen und Triebwerken, die nicht sparsam waren, Fehlkalkulationen bei Strecken, die längst nicht immer voll besetzt geflogen werden konnten. Das ließ die Business-Prognosen schlechter werden.

Bis in die 2030er im Einsatz

Zahlreiche Fluggesellschaften kürzten ihre Bestellungen oder stornierten komplett. Zuletzt Emirates, zuvor die australische Qantas und auch Katar Airlines wird sie ab 2024 nicht mehr einsetzen. Die Gründe sind vielschichtig: Vier Triebwerke brauchen viel mehr Kerosin als versprochen, die Wartungskosten sind enorm, die Routen oft nicht so rentabel wie erhofft.

Noch werden rund 20 Maschinen bis zum Produktionsstopp 2021 gebaut – etwa 250 Flieger werden aber bis weit in die 2030er im Einsatz sein. Zur Freude von Crews und Passagieren, die gleichermaßen den Riesenflieger lieben, wie auch heute die Lufthansa bestätigt, die 14 in ihrer Flotte einsetzt.

Eine der besten Bilanzen in der Firmengeschichte

Dabei ist der A380 keineswegs nur eine Geschichte geschäftlichen Versagens. Zugegeben, die Verzögerungen bei Entwicklung und Bau haben am Image gekratzt und waren sehr, sehr teuer. Aber gerade heute legte Airbus eine der besten Bilanzen seiner Geschichte vor: 5,8 Milliarden Euro Gewinn, rappelvolle Auftragsbücher – nur nicht für den A380.

Doch andere Typen, zum Beispiel der A350, von dem Emirates heute 40 als Ersatz bestellt hat, profitieren von der DNA der A380: Kleben statt nieten, Carbon statt Aluminium, elegante Aerodynamik, leisere Triebwerksentwicklungen und eine Cockpitelektronik, die wegweisend ist. Das Erbe des Super-Jumbos wird allen neuen Modellen zu Gute kommen.

Technik lebt in anderen Fliegern weiter

Und genau darin steckt auch die Hoffnung für die tausenden von Mitarbeitern bei Airbus oder den Zulieferern. Wenn sie heute von Bremen bis Hamburg, von Stade bis Augsburg um ihre Arbeitsplätze zittern, ist das zwar verständlich, aber vermutlich unnötig. Die Auftragsbücher sind voll, A320 und A350 heiß begehrt. Airbus hat gelernt, die Produktionslinie zu straffen, den Output aus den Werkshallen zu erhöhen. Fachleute werden daher sogar eher gesucht als freigesetzt.

Die Geschichte des A380 ist nicht vorbei. Auch wenn der Bau stoppt, am Himmel werden wir den faszinierenden Riesenvogel weiter sehen und ihm vielleicht begeistert hinterherschauen. Doch Gefühle haben in der rauen Welt der Luftfahrt keinen Platz. Hier muss Geld verdient werden. Das geht nicht, wenn keiner das Produkt mehr kaufen will. Die Ingenieure der A380 dürfen dennoch stolz darauf sein, Technikgeschichte geschrieben zu haben, die in anderen Fliegern weiterlebt.

Zuletzt aktualisiert: 16.06.2019, 18:53:36