Das Baukindergeld lenkt von den Hauptproblemen ab

Gepostet am 25.06.2018 um 17:38 Uhr

Das Baukindergeld erreicht nur die, die bereits genug Geld für eine Immobilie gespart haben und es reizt nicht dazu, mehr zu bauen. Die wirklichen Probleme beim Wohnungsbau liegen woanders, kommentiert Torsten Huhn.

Die Wohnungsbaupolitik in Deutschland war immer ein schwieriges Feld. Schon seit vielen Jahren verschlechtert sich für Wohnungssuchende stetig die Lage, überwiegend in den Großstädten. In den letzten Jahren wurde es auch in einer Reihe von attraktiven Universitätsstädten immer schwieriger, eine Bleibe zu finden.

In besonders gesuchten Lagen – also vor allem schönen Stadtteilen mit netten Geschäften und Restaurants – sind die Mieten und die Kaufpreise so in die Höhe geschossen, dass sich Normalverdiener dort nicht mehr niederlassen können.

Die Große Koalition will jetzt etwas gegen die Wohnungsnot tun und hat deshalb das Baukindergeld neu erfunden. Es soll Familien mit Kindern durch Zuschüsse helfen, sich eine Wohnung kaufen zu können. Weil das Baukindergeld für den Staat eine ziemlich teure Angelegenheit ist, wird nun diskutiert, diesen Zuschuss nur für Wohnungen mit einer Größe von 120 Quadratmetern zu vergeben. Dagegen wehren sich CDU-Politiker.

Es reizt nicht dazu, mehr zu bauen

Doch die Diskussion über das Baukindergeld sollte viel grundsätzlicher geführt werden. Denn vom Baukindergeld profitieren natürlich nur jene, die sich den Bau oder Kauf einer eigenen Immobilie leisten können, die also schon Geld sparen konnten. Man erreicht mit dem Baukindergeld keinesfalls die Menschen, die am dringendsten eine Wohnung brauchen.

Ein weiteres Argument gegen das Baukindergeld: Es reizt nicht dazu, mehr zu bauen. Viele Experten meinen, dass dieses Instrument vor allem dazu führt, dass die Preise weiter steigen – ohne dass zusätzlicher Wohnraum gebaut wird.

Wo die Politik ansetzen müsste

Das deutsche Problem liegt aber auch darin, dass es zu wenig Grundstücke gibt, auf denen mehr und auch kostengünstiger Wohnraum errichtet werden könnte. Viele Kommunen geben Grundstücke nicht zur Bebauung frei, weil sie auf noch höhere Verkaufspreise setzen. Und private Grundstückbesitzer machen es genauso.

Da müsste die Politik ansetzen. Sie müsste Grundstücksbesitzer – zu denen auch Kommunen gehören – dazu zwingen, ihre Flächen zu bebauen. Und die Kommunen müssten verdichtetes Bauen ermöglichen, auch kleine Brachflächen in den Städten sollten genutzt werden. Je mehr gebaut wird, umso eher kann der Preisanstieg gebremst werden.

Ablenkung von den wirklichen Problemen

Zudem sind Architekten und Bauträger aufgerufen, neue ‚einfache‘ Wohnungen zu maßvollen Preisen zu errichten – und nicht nur auf das Luxus-Segment zu setzen. Ein weiterer Ansatzpunkt liegt in den Bauvorschriften, die in den letzten Jahren immer detaillierter und umfangreicher wurden – und das Bauen zusätzlich verteuert haben.

Das sind die wirklichen Herausforderungen der Wohnungsbaupolitik. Die Diskussion über das Baukindergeld lenkt von den wirklichen Problemen nur ab.

Zuletzt aktualisiert: 22.09.2018, 14:57:19