Weniger Schulabbrecher, mehr Abiturienten

Gepostet am 01.03.2017 um 16:20 Uhr

Die Chancen für Kinder im deutschen Schulsystem haben sich offenbar verbessert. Laut der Bertelsmann-Stiftung gibt es weniger Abbrecher, auch der Ausbau der Ganztagsschulen geht voran. Doch die Unterschiede zwischen den Bundesländern bleiben groß. Von D. Pepping.

Die Chancen für Kinder im deutschen Schulsystem haben sich offenbar verbessert. Laut der Bertelsmann-Stiftung gibt es weniger Abbrecher, auch der Ausbau der Ganztagsschulen geht voran. Doch die Unterschiede zwischen den Bundesländern bleiben groß.

Von Dagmar Pepping, ARD-Hauptstadtstudio

Leistungsfähigkeit und Chancengerechtigkeit: Das deutsche Schulsystem habe sich seit dem PISA-Schock vor rund 15 Jahren nach vorne entwickelt, lobt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung – trotz gestiegener Herausforderungen im Klassenzimmer. “Sehr bedenklich” sei aber, “dass die Länder immer weiter auseinanderdriften und die Bandbreite zwischen den Ländern immer größer wird”, so Dräger.

Der Bildungsforscher Wilfried Bos von der TU Dortmund – einer der Autoren des “Chancenspiegel 2017” – spricht von einem “Lift-Effekt”: “Es geht nach oben, aber in manchen Ländern ist der Lift in der 1. Etage stehen geblieben. In anderen ist er bis in den 12. Stock hochgefahren.”

Ganztagsschulen zentral für mehr Chancengerechtigkeit

Ein Beispiel: die Versorgung mit Ganztagsschulen. In Bayern besuchen circa 15 Prozent der Schüler eine solche Schule, bei Spitzenreiter Hamburg sind es 88 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt laut Studie bei 37 Prozent. Für Dräger sind Ganztagsschulen ein zentraler Baustein für mehr Chancengerechtigkeit und Leistungskraft. Kinder aus sozial schwächeren Milieus lägen in ihren Leistungen immer noch bis zu zwei Schuljahre hinter Klassenkameraden aus privilegierten Familienmilieus.

Dräger plädiert für einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz. Wenn der Ausbau des Ganztagsschulwesens in der bisherigen Geschwindigkeit weitergehe, würde es noch 30 Jahre dauern, bis alle Kinder in Deutschland eine Ganztagsschule besuchen könnten, so Dräger.

Nach oben gehen die Zahlen auch bei den Schülern mit Hochschulreife. 52 Prozent der Schulabgänger haben Abitur. 2002 lag ihr Anteil noch bei 38 Prozent. Spitzenreiter in Deutschland ist übrigens Hamburg: Dort erwerben 62 Prozent der Schüler die Hochschulreife. Runter gehen die Zahlen der Abgänger ohne Hauptschulabschluss. 2002 verließ fast jeder Zehnte die Schule ohne Abschluss. Aktuell ist es jeder 16. Jugendliche. Der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos warnt: Das sei die “PISA”-Gruppe, von der man sagen könne, sie werde keine Berufsausbildung absolvieren können.

Die meisten Schulabbrecher in Sachsen-Anhalt

Die meisten Schulabbrecher gibt es übrigens in Sachsen-Anhalt: fast zehn Prozent. Die wenigsten in Bayern: 4,5 Prozent. Sorgen macht den Autoren der Studie die Gruppe der Schüler ohne deutschen Pass, die ohne Hauptschulabschluss bleiben. Die Quote sei in den letzten Jahren wieder auf durchschnittlich 12,9 Prozent gestiegen, sagte Dräger. Gerade mit Blick auf Kinder mit Flüchtlingshintergrund sei diese Zahl in Zukunft genau zu beobachten.

Fortschritte dokumentiert der “Chancenspiegel 2017” beim Thema Inklusion. Immer mehr Schüler mit Förderbedarf besuchen eine reguläre Schule, mittlerweile fast jeder Dritte.

Der Chancenspiegel zeige “viele erfreuliche Entwicklungen im Schulwesen”, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft bleibe aber eine Herausforderung, betonte die CDU-Politikerin. Die Bundesländer forderte Wanka auf,  gemeinsame Bildungsstandards weiter auszubauen und zu festigen.

“Chancenspiegel 2017” – Schulstudie der Bertelsmann-Stiftung
D. Pepping, ARD Berlin
15:19:00 Uhr, 01.03.2017

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2017 um 12:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2017, 06:28:31