Showtime in der CDU

Gepostet am 25.02.2020 um 18:21 Uhr

Mit ihrer überraschenden Tandem-Bewerbung haben Laschet und Spahn Konkurrent Merz erstmal die Show gestohlen. Aber wer hat die besseren Chancen? K. Girschick und K. Schwietzer über Stärken der Bewerber – und „Problemzonen“.

Mit ihrer überraschenden Tandem-Bewerbung haben Laschet und Spahn Konkurrent Merz erstmal die Show gestohlen. Aber wer hat die besseren Chancen? Über Stärken der Bewerber – und „Problemzonen“.

Eine Analyse von Kirsten Girschick und Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Was für ein Showdown. High Noon in der Bundespressekonferenz. Schon das Timing der Auftritte spricht Bände.

Da kommt Friedrich Merz gestern Abend mit Andeutungen um die Ecke. Sein Auftritt geplant für heute, 11 Uhr in Berlin. Er wollte den Aufschlag vor der Konkurrenz machen. Doch die durchkreuzt das heute Morgen: Das Tandem Armin Laschet und Jens Spahn lädt die Hauptstadtpresse um 9:30 Uhr ein.

Und dann muss Merz auch noch warten, bis die beiden Herren fertig sind. Und dann packen sie den eigentlichen Coup auf den Tisch: Laschet fährt auf dem Tandem vorn – Spahn tritt in der zweiten Reihe mit. Das hat selbst in der CDU einige überrascht.

Merz ist der Ärger darüber regelrecht anzumerken. Er nennt es scherzhaft „eine Kartellbildung zur Schwächung des Wettbewerbs“.

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„Schon wieder“ – oder „endlich“?

Der Machtkampf in der CDU geht in die nächste Runde. Merz, der Sauerländer, will es wissen. „Schon wieder“, stöhnen die einen. „Endlich“, rufen die anderen.

Die einen und die anderen: Das allein offenbart das Dilemma der CDU. Die Führungsfrage ist längst eine Richtungsfrage geworden. In konservativen Kreisen ist Merz der Hoffnungsträger, manchem Liberalen bereitet er dagegen Sorgenfalten.

Merz polarisiert. Schon jetzt warnen Stimmen aus dem Vorstand vor einer Spaltung der Partei. Zusammenhalten? Kann Merz das? Es wäre die für ihn wohl größte Herausforderung. Kein Spiel mehr von der Seitenlinie. Mittendrin, versöhnen – das trauen viele eher Laschet zu.

Laschet ist der Chef im Haus, in der Hausmacht NRW. Nur wer am Ende die Delegierten des mitgliederstärksten Verbandes auf seiner Seite hat, kann das Rennen um die Macht gewinnen. Das Stimmungsbild in Nordrhein-Westfalen ist durchwachsen. Von Zustimmung bis Ablehnung ist alles dabei.

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Chancen auf dem Parteitag?

Neben NRW schicken Baden-Württemberg und Niedersachsen die meisten Delegierten zum Sonderparteitag. Zusammen stellen die drei Landesverbände mehr als die Hälfte der Delegierten.

Aus Baden-Württemberg kam 2018 große Unterstützung für Friedrich Merz. Die Basis sei diesmal aber nicht mehr ganz so eindeutig positioniert, heißt es. Wichtiger sei der Zusammenhalt der Partei. Der niedersächsische Vorsitzende Bernd Althusmann betonte gestern, entscheidend sei für ihn, dass der zukünftige Vorsitzende nicht nur die eigene Basis anspreche, sondern auch das Wählerpotential in der Bevölkerung.

Wer kann Wahlkampf?

Wähler ansprechen – das kann Laschet. Ihm hatten auch innerhalb der Partei viele nicht zugetraut, 2017 gegen Hannelore Kraft zu gewinnen. Doch mit viel Geduld – und einem erfolgreichen Wahlkampf – erkämpfte er sich das Amt.

Seine Regierungsmannschaft hat er breit aufgestellt, alle Flügel und auch einstige Rivalen eingebunden. Jetzt tritt er gemeinsam mit Jens Spahn an – auch das ein Zeichen, dass er frühere Gegenspieler mit einbinden kann und will.

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Und die Frauen?

Eins fehlt bei allen drei Bewerbern bisher: Alle müssen noch Fakten schaffen, was die weibliche Seite angeht. Bisher senden die Bewerber lediglich unterschiedlich starke Signale an weibliche Parteimitglieder und Wählerinnen. Norbert Röttgen twittert noch während der Laschet/Spahn-Pressekonferenz, die zweite Person in seinem Team werde eine Frau sein. Laschet betont, Spahn und er seien ja nicht die komplette Wahlkampfmannschaft und Merz verspricht, eine Generalsekretärin einzusetzen.

Die CDU wird traditionell von mehr Frauen als Männern gewählt. Angela Merkel hat die Partei vor allem für neue Wählerinnen geöffnet. Viele in der CDU betonen, man dürfe die Frauen nicht aus dem Blick verlieren. Und – nicht zu unterschätzen – die Frauen-Union stellt ungefähr so viele Delegierte auf dem Parteitag wie NRW.

Wer versteht den Osten?

Frauen, Großstädte, Ostdeutschland – das sind drei „Problemzonen“, die auf den neuen Parteivorsitzenden warten. Stadt gegen ländlicher Raum – da herrscht in der gesamten CDU im Moment eher Ratlosigkeit.

Die Thüringen-Krise hat die Konzeptlosigkeit der Bundes-CDU in Bezug auf Ostdeutschland offenbart. Von den drei Kandidaten „zieht“ Merz am ehesten an der ostdeutschen Basis. Systematisch ist er in den letzten Jahren dort zu Veranstaltungen gefahren, „um zu verstehen“, wie er heute sagt.

Dagegen wirkt Laschets Vorschlag, Klassenfahrten sollten eher nach Ostdeutschland gehen als ins Ausland, 30 Jahre nach dem Mauerfall eher wenig originell. Doch die CDU-Landesverbände aus den östlichen Bundesländern bringen gerade mal knapp mehr als 100 Delegierte zusammen – bei der Entscheidung auf dem Parteitag fallen sie also weniger ins Gewicht als etwa Niedersachsen alleine.

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Richtungsentscheidung

Die Karten liegen jetzt – auch inhaltlich – auf dem Tisch. Friedrich Merz macht dabei das Angebot „konservativer Aufbruch“. Er spricht von einer Erneuerung der Partei, man müsse nun „wirklich einige Korrekturen“ vornehmen.

Laschet und Spahn setzen da eher auf eine breitere Aufstellung – in der Laschet das eher liberale und Spahn das eher konservative Element der Volkspartei CDU verkörpert. Norbert Röttgen werden in der Partei eher Außenseiterchancen eingeräumt. Bis zum 25. April müssen sie nun um Unterstützung werben.

Über dieses Thema berichtete am 25. Februar 2020 die tagesschau um 12:00 Uhr und Deutschlandfunk um 18:21 Uhr in der Sendung „Informationen am Abend“.

Zuletzt aktualisiert: 24.09.2020, 23:13:59